Größter Stützpunkt in Afghanistan geräumt

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Ein US-Soldat verzurrt ein gepanzertes MRAP-Fahrzeug ("Mine Resistant Ambush Protected") in einer Boeing C-17 auf dem Flugplatz Bagram. (Foto: BS/U.S. Air Force, Matthew Lotz)

Nachdem vor drei Tagen die letzten Bundeswehr-Soldaten das Land am Hindukusch verließen, haben heute die letzten US- und sonstigen NATO-Truppen den mit 24 Quadratkilometern größten Militärstützpunkt Bagram geräumt. Die etwa 75 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Kabul gelegene Streitkräftebasis ist dabei “ohne Pauken und Trompeten” an die Afghanische Nationalarmee übergeben worden. Damit ist der multinationale Truppenabzug auf der Zielgeraden angekommen. Bis zum amerikanischen Nationalfeiertag, d.h. in zwei Tagen, soll er komplett abgeschlossen sein.

Auf dem Höhepunkt des multinationalen Engagements waren in Bagram 30.000 ausländische Soldaten der “International Security Assistance Force” (ISAF) stationiert. Auch das Hauptquartier der Nachfolgemission “Resolute Support” (RS) unter dem letzten US-Befehlshaber, Heeresgeneral Austin “Scott” Miller, befand sich dort. Auf dem Gelände existierte ebenfalls das wichtigste Internierungslager der US-Streitkräfte für irreguläre Kämpfer im ganzen Land, das bereits 2002 eingerichtet wurde.

Der Luftwaffenstützpunkt Bagram war in den 1950er Jahren mit sowjetischer Hilfe errichtet worden. Nach dem Einmarsch der Sowjetarmee 1979 hat diese sich auf dem Militärflugplatz eingerichtet. Nach dem Abzug der Truppen der UdSSR kämpften hier in den 1990er Jahren Taliban und Nordallianz gegeneinander. Als die US-Streitkräfte die schwer beschädigte Air Base übernahmen, haben sie diese massiv ausgebaut. Seitdem verzeichnete sie mehr militärische Flugbewegungen als jeder andere Flughafen in Afghanistan.

Unzählige Militärpersonen und Zivilbedienstete sind in knapp 20 Jahren in Bagram gelandet und gestartet – einschließlich der amerikanischen Präsidenten George W. Bush, Barack Obama und Donald Trump. Auch die fast 2.000 gefallenen US-Soldaten sind von dort außer Landes geflogen worden in Richtung Heimat. Ende 2006 erfolgte die Inbetriebnahme einer zweiten Start- und Landebahn, die mit einer Länge von 3.500 Metern um ein Siebtel länger als die ursprüngliche Bahn ist. Damit kann sogar das größte Transportflugzeug der Welt, die Antonov An-225, mit maximaler Zuladung dort starten.

Vor zehn Jahren waren fast 100.000 US-Soldaten und 35.000 Bedienstete von privaten Militär- und Sicherheitsunternehmen (PSMU) am Hindukusch stationiert; zuletzt waren es 2.500 US-Soldaten und immerhin 18.000 private Kontraktoren. Am Dienstag dieser Woche hat das für Afghanistan zuständige U.S. Central Command (CENTCOM) mit Hauptsitz in Tampa/Florida mitgeteilt, dass es das Äquivalent von fast 900 Flugzeugladungen vom Typ Boeing C-17 “Globemaster III” ausgeflogen hat. Fast 16.000 Stück Ausrüstung, die nicht mehr wert schienen, mitgenommen zu werden, wurden vor Ort zerstört. Infrastrukturell und logistisch werden somit die “Brücken” hinter sich abgerissen.

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