10 Jahre Cyber-AZ – Justiz an Bord

0
749
10 Jahre Nationales Cyber-Abwehrzentrum: Der Kreis der Beteiligten wächst, Landeskriminalämter und Landesämter für Verfassungsschutz bleiben aber weiter draußen. (Grafik: Nationales Cyber-Abwehrzentrum)

Den Informationsaustausch zwischen Sicherheitsbehörden verbessern und Abwehrmaßnahmen gegen IT-Sicherheitsvorfälle koordinieren: Das ist die Aufgabe des Nationalen Cyber-Abwehrzentrums (Cyber-AZ). Im zehnten Jahr des Bestehens ist nun auch die Justiz direkt vertreten.

Das Cyber-AZ war 2011 in Bonn unter Federführung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eingerichtet worden. Geschäftsführender Koordinator ist seit Ende 2019 Heiko Schneider vom Bundeskriminalamt. Außerdem vertreten sind das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), das Bundesamt für den Militärischen Abschirmdienst (BAMAD), das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), der Bundesnachrichtendienst (BND), das Bundespolizeipräsidium (BPol) sowie das Kommando Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr (KdoCIR). Assoziierte Stellen sind das Zollkriminalamt (ZKA) und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Seit kurzem ist auch erstmals die Justiz im Kooperationsgremium vertreten. Die Zentralstelle Cybercrime Bayern der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime der Staatsanwaltschaft Köln haben Vertreter ins Cyber-AZ entsandt. “Damit können wir Straftaten im Bereich Cybercrime noch besser und in direkter Abstimmung verfolgen”, freut sich Koordinator Heiko Schneider.

Kerngeschäft Lagebesprechung

Kern der Zusammenarbeit im Cyber-AZ sind tägliche Lagebesprechungen. Dabei sollen sich die beteiligten Stellen über ihre Verbindungspersonen frühzeitig über aktuelle Bedrohungen austauschen, Vorkommnisse bewerten und das gemeinsame Vorgehen abstimmen. Angriffe würden immer komplexer, erklärt Schneider, allen Behörden müssten immer alle benötigten Informationen vorliegen, soweit rechtlich möglich. “Deswegen ist die Arbeit des Cyber-AZ auch zehn Jahre nach seiner Gründung immens wichtig für die deutsche Sicherheitsarchitektur”, so Schneider.

Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum stand in den ersten Jahren nach der Gründung in der Kritik, aufgrund seiner Struktur und personellen Besetzung wenig zur Cyber-Abwehr beitragen zu können. Der Bundesrechnungshof bemängelte 2014 in einem vertraulichen Bericht die Arbeitsweise und fehlende Kompetenzen des Zentrums. Seitdem ist der Kreis der beteiligten Stellen mehrmals erweitert und der Informationsaustausch intensiviert worden. In Anlehnung an die Struktur des Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrums (GTAZ) ist in der Vergangenheit immer wieder die Einbindung der Sicherheitsbehörden der Länder ins Cyber-AZ gefordert worden. Dem ist der Bund bisher nicht nachgekommen.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here