Frankreich steigt aus MAWS aus

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Luftbetankung einer P-8A Poseidon der U.S. Navy durch einen KC-135 Stratotanker der U.S. Air Force. (Foto: BS/U.S. Air Force/Tiffany A. Emery)

Frankreich wird aus dem deutsch-französischen Programm für neue Seefernaufklärer namens Maritime Airborne Warfare System (MAWS) aussteigen, berichtet zumindest die französische Zeitung “La Tribune”. La Tribune schrieb: “Nach unseren Informationen soll Frankreich nach der Entscheidung Deutschlands, fünf P-8A Poseidons von Boeing zu erwerben, die Initiative zum Ausstieg aus dem MAWS-Programm (Maritime Patrol Aircraft) ergriffen haben. Verärgert über Berlin, erwägt Paris einen Plan B auf Basis der Falcon 10X von Dassault Aviation.”

Die deutsche Bundesregierung hatte die Beschaffung der P-8A Poseidon immer nur als Interimslösung beschrieben, da die aktuell vorhandenen Seefernaufklärer dringendst ersetzt werden mussten. “Ein Wegfall des deutschen Beitrags zur luftgestützten Fähigkeit in den Bereichen Anti Submarine Warfare (ASW) hätte erhebliche Auswirkungen auf die weiträumige und schnelle ASW-Fähigkeit der Marine und würde sich negativ auf die Bereitstellung von Fähigkeiten im europäischen Teil der NATO auswirken”, hatte die Bundesregierung im April auf eine Kleine Anfrage der FDP (Drucksache 19/28697) geantwortet. “Bei einem Verlust der flugzeugbasierten ASW- und ASuW-Fähigkeiten sowie der Fähigkeit zur weiträumigen maritimen Lagebild-erstellung verlöre die Marine nicht nur ihre materielle Befähigung, sondern auch das über viele Jahre erworbene Spezialwissen, das für einen Übergang zum verzugslosen Flug- und Einsatzbetrieb des zukünftigen, im Rahmen der deutsch-französischen Kooperation projektierten Waffensystems Maritime Airborne Warfare System (MAWS) unverzichtbar ist.”

MAWS wäre voraussichtlich erst 2035 in die Bundeswehr gekommen, den Zeitraum von voraussichtlich 14 Jahren, oder mehr, galt es zu überbrücken.

Andererseits bietet die P-8A auch viele Vorteile, etwa eine Erneuerung der Kooperation mit Norwegen. So hatte sich im Rahmen der Materialversorgung für die aktuell genutzten Seefernaufklärer P-3C Orion eine Kooperation mit Norwegen etabliert, die nur aufgrund der im Jahr 2016 durch Norwegen getroffenen Entscheidung, die P-3C Orion durch die Boeing P-8A zu ersetzen, nicht weiter verfolgt wurde. Diese Kooperation ließe sich nun wieder aufnehmen.

Zudem handelt es sich bei dem amerikanischen Seefernaufklärer um den modernsten weltweit, der aufgrund der weiten Verbreitung des Trägerflugzeugs sowie den stetig angepassten Notwendigkeiten der U.S. Navy eine gesicherte Modernisierung besitzt. Die Fähigkeiten, welche die P-8A Poseidon bietet, hätte MAWS erst einmal entwickeln und unter Beweis stellen müssen. Überlegungen, die anscheinend in Paris zu einem eindeutigen Ergebnis führten.

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