Frankreichs Engagement in Estland

0
516
(Foto: BS/Armée de Terre française)

Wie das “Ministère des Armées” in Paris heute mitgeteilt hat, nahm eine taktische, TSK-übergreifende Unterabteilung “Sous-Groupement Tactique Interarmes” (SGTIA) der französischen Streitkräfte Mitte Juli in Estland zusammen mit einheimischen und britischen Soldaten an der Ausbildungsübung “Furious Wolf” teil. Im Mittelpunkt des Trainings standen die “Joint Terminal Attack Controllers” (JTACs) aus den drei Nationen.

Die Beobachtungs- und Feuerleit-Mannschaft der SGTIA besetzte den Posten des NFO (“National Forward Observer”). Dabei wurden die Verfahren der NATO für Luftangriffe auf Ziele am Boden drillmäßig geübt. Dies fand in enger Zusammenarbeit mit den JTAC statt. Der NFO ist ein vorgelagertes Beobachtungselement vor Ort, d.h. er wird zu den “Augen” des JTAC. Die Fliegerleitoffiziere dirigieren die eigenen Kampfjets direkt vom Kommandoposten aus.

“Furious Wolf” integriert Land- und Luftoperationen. Während eines Zeitraums von drei Wochen arbeiten die am Boden eingesetzten JTACs mit den alliierten Flugzeugbesatzungen zusammen, um Fähigkeiten der Luftunterstützung (“Close Air Support”/CAS) zu entwickeln. Die Hauptaufgabe der JTAC ist das Dirigieren von CAS-Luftschlägen.

“Enhanced Forward Presence”

Im Baltikum fährt der französische Verband mittlerweile seit Sommer die “Opération Lynx 10” im Rahmen der “Enhanced Forward Presence” (eFP) der NATO. Die “Staffelübergabe” von “Lynx 9” fand im Sommer statt. Diese Beistandsinitiative der Atlantischen Allianz war Anfang Juli 2016 auf dem Gipfeltreffen des Bündnisses in Warschau beschlossen worden. Anfang des darauffolgenden Jahres startete dann das Nordatlantische Bündnis mit der Verlegung von Soldaten nach Polen und in die baltischen Staaten.

eFP dient der Sicherung der NATO-Ostflanke und soll Russland militärisch abschrecken. Die Mitgliedsstaaten der Atlantischen Allianz reagieren mit der “verstärkten Vornepräsenz” auf die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland und dessen fortgesetzte Destabilisierung der Ukraine. Deshalb werden im Rotationsverfahren sogenannte NATO-“Battlegroups” zu Ausbildungs- und Übungszwecken nach Estland, Lettland, Litauen und Polen verlegt. Mit der russischen Exklave Kaliningrad befindet sich allerdings ein “Keil” zwischen Litauen und Polen.

Der Beitrag der französischen Streitkräfte zu eFP läuft im Rahmen der Mission “Lynx”. Das zehnte Kontingent mit einer Kopfstärke von 300 Soldaten befindet sich seit Sommer dieses Jahres in Estland, und zwar für die Dauer von vier Monaten. Der gepanzerte SGTIA-Verband mit 200 Soldaten umfasst zwölf Kampfpanzer “Leclerc” (Foto), acht VBCI-Schützenpanzer (“Véhicule Blindé de Combat d’Infanterie”) und acht VAB-Transportpanzer (“Véhicule de l’Avant Blindé”). Außerdem sind noch 100 Logistiker vor Ort.

“Lead Nation” der Kampfgruppe Estland” ist Großbritannien; die “Battlegroup Latvia” wird von Kanada geführt und für den NATO-Verband in Polen tragen die USA die alliierte Verantwortung. Deutschland hat die Führung der “Battlegroup” in Litauen übernommen. Aktuell befinden sich rund 500 Bundeswehr-Soldaten bei eFP. Durch die Deutsch-Französische Brigade kommen immer wieder auch Soldaten der “Grande Nation” nach Litauen.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here