Erreichbarkeit der Bevölkerung

0
402
Am 14. Juli um 4 Uhr, also Stunden vor der Katastrophe, gab es unter anderem diese Warnung von Kachelmannwetter. (Screenshot: BS)

Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen hat wieder die Frage nach der mangelnden Warnmöglichkeit für die Bevölkerung aufgeworfen. Die Wetterdienste sagen richtigerweise, dass sie im Vorfeld vor dem Starkregenereignis gewarnt hatten. Was auch stimmt, da in allen Apps an jenem Tag eine entsprechende Warnung vor “Unwettern und Regen” auftauchte. Allerdings unterschied sich diese Warnung nicht von allen anderen Warnungen, die vorher bereits etwa einmal die Woche vor “Unwettern” und oft auch “Starkregen” warnten. Die Bevölkerung war solche Warnungen also gewohnt und rechnete maximal mit vollgelaufenen Kellern.

Am Tag des Regens kam dieser auch weniger als wirklicher Starkregen runter, sondern vielmehr hielt sich ein stärkerer Regenguss über mehrere Stunden, beginnend je nach Region unterschiedlich, im Rhein-Sieg-Kreis gegen Mittag. Am Abend waren dann die ersten Sirenen zu hören, zumindest für jene, die darauf achteten. Die meisten haben es nicht und dementsprechend erst davon erfahren, dass der Regenguss sich zu einem Unwetter ausweitete, wenn die Straßen vor der Tür zu einem reißenden Fluss wurden, das Wasser langsam ins Haus eindrang oder Bekannte aus WhatsApp entsprechende Fotos und Videos schickten.

Die Menschen waren unvorbereitet und wurden auch im Verlauf des Tages oder Abends nicht informiert, weder über das Radio – das man bei Sirenenalarm anstellen soll – noch über das Fernsehen. Selbst eine größere Verbreitung von Sirenen hätte also wenig gebracht, da eine Warnung schließlich zu Konsequenzen führen muss, die der Staat vorzugeben hat. So wäre etwa in Schuld eine Evakuierung vor oder zu Beginn des Regens notwendig gewesen.

Die Forderung nach Sirenen oder Handywarnungen muss in Kombination mit eindeutigen Handlungsanweisungen für die Bürger stehen. Hierfür braucht es eine Stelle, die solche Anweisungen anordnet und dann auch die Umsetzung betreut. Bayern hat von der Katastrophe gelernt und vor den ebenfalls vorhergesagten Unwettern großräumig evakuiert. Maßnahmen, die auch in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz notwendig gewesen wären.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here