Zeitverzug

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Der Sanitätsdienst der Bundeswehr versuchte in den Stunden nach der Katastrophe zu retten, was vorher hätte gerettet werden müssen. (Foto: BS/Sanitätsdienst der Bundeswehr)

Die Zeit nach der Hochwasserkatastrophe muss vor allem Klarheit darüber bringen, warum die Menschen nicht vorgewarnt wurden. Die Meteorologen hatten ihre Arbeit gemacht. Es gab europäische Warnungen an Deutschland, der Deutsche Wetterdienst warnte und mehrere andere, wie beispielsweise Kachelmannwetter. Selbst nachdem einige deutsche Städte bereits von diesem ungewöhnlichen Regen getroffen (und überflutet) wurden passierte nichts, um beispielsweise die Bewohner jener Regionen in der Eifel zu warnen, die erst Stunden später von den Wassermassen überrascht wurden.

Auch Evakuierungen lassen sich schließlich besser im Vorfeld einer Katastrophe durchführen, als danach. Die Wetterdienste warnten bereits Tage im Voraus, dass es für die Erft und die Ahr kritisch werden könnte, doch es geschah nichts. Selbst als die Regenradare deutlich die Spur des Unwetters zeigten, Erft und Ahr waren weiterhin kritisch, geschah nichts. Der Sanitätsdienst der Bundeswehr twitterte am 15. Juli, dem Tag nach der Katastrophe: “Seit den Nachtstunden helfen Soldatinnen und Soldaten aus dem Sanitätsregiment 2 u.a. bei der Evakuierung von Pflegeheimen und Krankenhäusern nach den Überschwemmungen in mehreren Landkreisen von RLP.” Die ersten Städte wurden allerdings am Vormittag getroffen, die große Katastrophe nahm am Nachmittag ihren Lauf. Da sind Nachtstunden dann doch ein Zeitverzug, der viel zu lang ist.

Dieser Zeitverzug lag nicht in der Verantwortung der Bundeswehr, sie wurde vielmehr viel zu spät alarmiert. Alle Katastrophenschützer wurden zu spät alarmiert. Dass sie überhaupt alarmiert werden mussten und nicht schon bereit standen, ist angesichts der Warnung durch die Meteorologen mehrere Tage vor dem Ereignis zumindest überraschend. Wenigstens die in den wahrscheinlich betroffenen Gebieten liegenden Alten- und Pflegeheime hätten evakuiert werden können.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) verwies später darauf, dass eine Warnung in der NINA-Warn-App vorhanden gewesen sei, aber das war sie in anderen Apps auch. Der Schwarze Peter wurde schließlich wieder den Bürgern zugespielt, die nicht wüssten, wie man sich zu verhalten habe.

In den USA, deren Mitte durchaus Erfahrungen mit gefährlichem Wetter hat, besteht das richtige Verhalten übrigens im Beobachten der Wetterprognose. Und wenn das eigene Gebiet gefährdet ist, wird sich zu zentralen Unterbringungsstellen begeben. Ruhig, mit den wichtigsten Gegenständen und Haustieren. Dort warten die Menschen ab, bis das Wetter vorüber zieht. Häuser lassen sich schließlich nicht retten, nur Leben.

Ein Prinzip, dass sich auch bei dieser Katastrophe in den Niederlanden bewährte. So wurde etwa in Venlo ein Krankenhaus mit 200 Patienten vorsorglich evakuiert. Es blieb in den Niederlanden bei Sachschäden.

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