US-Kampfeinsätze in Afghanistan lassen nach

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(Foto: BS/U.S. Air Force, Barclay)

Heute Nacht haben die US-Streitkräfte zur Unterstützung der Afghanischen Nationalarmee (ANA) in der Provinz Kandahar im Südosten des Landes Luftschläge gegen militärische Ausrüstung ausgeführt, die den fundamentalistischen Taliban in die Hände gefallen war. Das US-Militär hat die Befugnis behalten, während den letzten Phasen des US-Abzugs die afghanischen Sicherheitskräfte (Armee und Polizei) mit einer Gesamtstärke von rund 350.000 Mann offensiv zu unterstützen.

In den vergangenen Wochen hat die Häufigkeit dieser Angriffe jedoch abgenommen. Schätzungsweise sechs oder sieben solcher US-Aktionen habe es in den vergangenen 30 Tagen gegeben, meistens mit Kampfdrohnen (Foto), so ein hoher Beamter des Pentagon gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN.

John Kirby, der Pressesprecher des US-Verteidigungsministeriums, sagte dazu: “Ich kann bestätigen, dass wir in den vergangenen paar Tagen mittels Luftangriffen gehandelt haben, um die afghanischen Sicherheitskräfte zu unterstützen. Aber ich werde nicht auf technische Details zu diesen Militärschlägen eingehen.”

Neulich erklärte das “U.S. Central Command” (CENTCOM), das unter anderem auch für Afghanistan zuständig ist, dass der Abzug der US-Truppen zu mehr als 95 Prozent abgeschlossen sei. Bis Ende August soll die Rückverlegung der letzten ca. 3.000 GIs abgeschlossen sein. So lautet die Vorgabe aus dem Weißen Haus. Ungefähr 650 US-Soldaten sollen im Land am Hindukusch bleiben, um einerseits die diplomatische Präsenz der Vereinigten Staaten – einschließlich ihrer Botschaft –und andererseits den internationalen Flughafen von Kabul als “Tor zur Welt” abzusichern. Auf dem Höhepunkt des zwanzigjährigen amerikanischen Engagements im Jahr 2012 waren rund 100.000 US-Soldaten am Hindukusch stationiert. Insgesamt sind rund 2.300 GIs dort gefallen.

General Mark A. Milley, Vorsitzender des Vereinigten Generalstabs (engl. JCS), sagte vorgestern, dass die Taliban 212 oder 213 der 419 afghanischen Distrikte kontrollieren würden. Obwohl die sunnitische Terrormiliz noch keine der 34 Provinzhauptstädte erobert hätte, würde sie die Hälfte von ihnen umzingeln, um die wichtigsten Bevölkerungszentren zu isolieren, so der Vier-Sterne-General des US-Heeres.

“Die strategische Gunst der Stunde schein momentan auf Seiten der Taliban zu sein”, so General Milley. Das afghanische Militär würde seine Kräfte konsolidieren, um die Provinzhauptstädte und Kabul zu sichern. Das Fest des Fastenbrechens (“Eid al Fitr”) nach dem diesjährigen Ramadan habe zu einem Nachlassen der Kämpfe geführt, doch die Lage im Land würde sich nach den drei Feiertagen klarer präsentieren, so der US-Generalstabschef.

Schicksal der Ortskräfte

Die Luftschläge der vergangenen Nacht kommen zu einem Zeitpunkt, wo die Biden-Administration sich darauf vorbereitet, die erste Gruppe der Zehntausenden von afghanischen Ortskräften und deren Familien zu evakuieren. Diese sind dabei, “Special Immigrants Visas” (SIVs) für die Vereinigten Staaten zu beantragen. Ein Teil der ersten Gruppe von 2.500 Afghanen soll in der Heeresgarnison Fort Lee im US-Bundesstaat Virginia untergebracht werden, so Pentagon-Sprecher Kirby.

Viele der afghanischen Ortskräfte fürchten um ihr Leben und um das ihrer Familien. Dass diese Ängste nicht unbegründet sind, zeigt exemplarisch eine CNN-Meldung von heute, wonach ein ehemaliger afghanischer Dolmetscher des amerikanischen Heeres von den Taliban geköpft worden sein soll.

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