Führungsfähigkeit im Katastropheneinsatz

0
513
Die Zellulare Netze Verlegefähig (ZNV) befindet sich aktuell noch in der Beschaffung. (Foto: Pump/Bundeswehr)

Funktionierende Kommunikation ist Voraussetzung zur Bewältigung von Katastrophen, sowohl bei der Führungsfähigkeit als auch in der Koordination der Kräfte untereinander. Das großflächige Nicht-Vorhandensein von Funk sorgte zumindest in der Anfangszeit für zusätzliche Schwierigkeiten. Da weder das zivile Funknetz noch die BOS-Netzinfrastruktur flächendeckend vorhanden waren, entstanden Funklöcher, die sogar noch größer waren als das Katastrophengebiet. Dabei wäre gerade zu Beginn eine stringente Führungsfähigkeit und der gezielte Einsatz jeder einzelnen Kraft notwendig gewesen.

Es zeigte sich, dass der BOS-Digitalfunk dieser Großschadenslage nicht gewachsen war, obwohl mobile Stationen relativ schnell vor Ort waren. Ein Problem besteht darin, dass die stationären BDBOS-Basisstationen nur voll funktionsfähig sind, wenn sie Netzanbindung haben. Die Wassermassen hatten aber teilweise entsprechende Leitungen zerstört. Die abgehängten Basisstationen gingen in den sogenannten Fallback-Modus, der Kommunikation nur noch innerhalb der Funkzelle möglich macht. Fiel die Basisstation komplett aus, konnten die Einsatzkräfte vor Ort ihre Terminals nur noch als Walky-Talkies im DMO-Modus nutzen. Eine Kommunikation mit der Einsatzführung war nicht mehr möglich. Hinzu kommt die Verkehrslast. Der schmalbandige BOS-Digitalfunk verfügt über limitierte Frequenzen und ist, wenn – wie hier geschehen – viele unterschiedliche Funkgruppen unkoordiniert in einer Funkzelle auftauchen, schnell überfordert.

In der Realität hatten sich in Übungen und den “normalen” kleineren Einsätzen zudem viele kommunale Katastrophenschutzorganisationen – und zu Teilen auch Bundeswehr und THW – stark auf zivile Fähigkeiten verlassen. Die WhatsApp-Gruppe konnte viel mehr und schneller und besser leisten.  Nur wenn es über Tage kein Handynetz mehr gibt, dann müssen sich mitten im Ernstfall neue Verfahren etablieren.

Was schließlich zum Einsatz kam, war dementsprechend eine Mischung, welche ein Sprecher des Kommandos Territoriale Aufgaben gegenüber dem Behörden Spiegel wie folgt beschrieb: “Kommunikation erfolgt über sämtliche Kommunikationswege: Mobilfunk, VHF, BOS, SATCOM, IRIDIUM. Außerdem gleichen sich die Verantwortlichen in den jeweiligen Katastrophenstäben ab.”

Eine Lösung, die mit einer Distributed Architecture im Grunde alle Aufgaben hätte übernehmen können, befindet sich aktuell in der Bundeswehr in der Beschaffung: Zellulare Netze Verlegefähig (ZNV). Dabei handelt es sich um eine Containerlösung, die auf allen Standard-Lkws transportiert werden kann und bei der sich die Vermittlung direkt im Container befindet. Damit will die Bundeswehr auch in Einsatzgebieten ohne Infrastruktur in der Lage sein, größere Verbände mit Kommunikation auszustatten und somit auch führen zu können.

Auch andere militärische Lösungen ließen sich – als Lehre aus der Katastrophe – vorrätig halten. Diese müssen nicht immer teuer sein. So setzen unter anderem die Streitkräfte der USA und Israels Ballons ein, an denen entweder Sensoren, beispielsweise Kameras zur Kartographierung des Gebietes, oder Antennen zur Herstellung eines Funknetzes hängen. Eine weitere mögliche Lösung wären Zeppeline, die ebenfalls schnell und fast ohne Infrastruktur in die Luft gebracht werden können, um dann mit Kameras oder Antennen die Katastrophenhelfer zu unterstützen, indem sie eine Lageerfassung oder ein Funknetz ermöglichen.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here