Bundeswehr fliegt COVID-Hilfsgüter nach Tunesien

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Bundeswehr-Hilfsgüter werden auf dem Flughafen Tunis-Karthago entladen. (Foto: BS/Bundeswehr, Gerhard Ahlswede)

Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden innenpolitischen wie pandemischen Lage in Tunesien hat die Bundeswehr mit einem Airbus A400M dringend benötigte medizinische Hilfsgüter im Kampf gegen die Corona-Krise in den nordafrikanischen Staat geflogen. Damit möchte die Bundesregierung ihren Beitrag zur Stabilisierung des muslimischen Landes leisten.

Die Transportmaschine der Luftwaffe hatte 40 Krankenbetten, 20.000 Schutzbrillen und 50.000 SARS-CoV-2-Schnelltests an Bord. Das aus Bundeswehr-Beständen stammende Sanitätsmaterial hat einen Gesamtwert von mehr als einer halben Million Euro. Der Transport wird durch die Europäische Union (EU) mitfinanziert. Am Flughafen Tunis-Karthago nahmen der tunesischer Außenminister Othman Jerandi, Vizeadmiral Abderraouf Atallah, Oberbefehlshaber der Marine und Nationaler Sicherheitsberater der Regierung, sowie Gesundheitsminister Generalstabsarzt Mustapha Ferjani im Beisein des deutschen Botschafters Peter Prügel die Hilfsgüter entgegen.

Innenpolitische Krise

Zwar war Tunesien am Jahreswechsel 2010/2011 Ausgangspunkt für den Arabischen Frühling in Nordafrika sowie im Nahen und Mittleren Osten gewesen, der in Tunis zur Abdankung des langjährigen Staatspräsidenten Ben Ali geführt hat. Seit 2014 wird das nordafrikanische Land als “unvollständige Demokratie” bezeichnet. Damit aber ist Tunesien weitergekommen als alle anderen arabischen Staaten. Allerdings zersetzen Korruption, eine Wirtschaftskrise und die Corona-Pandemie zunehmend die Stabilität des politischen Systems.

Militärische Zusammenarbeit

Schon im Jahr 2017 beschrieb der damalige Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr, Generaloberstabsarzt Dr. Michael Tempel, die langjährige Kooperation beider Sanitätsdienste als “lebendige, vertrauensvolle Zusammenarbeit.” Auch in der aktuellen Lage arbeiten beide Partner eng zusammen im Kampf gegen das Corona-Virus. So wurden auf dem Rückflug des A400M etliche Patientenproben nach Deutschland transportiert, um im Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München sequenziert zu werden. Darüber hinaus wird ein weiteres Transportflugzeug der Luftwaffe demnächst während eines Versorgungsfluges in den Sahel-Staat Niger bei einer Zwischenlandung in Tunis weitere 20.000 Schutzbrillen liefern.

Nach einem Treffen mit Botschafter Prügel im November des vergangenen Jahres veröffentlichte der tunesischen Verteidigungsminister Brahim Bartégi eine Erklärung, wonach der Diplomat die bilaterale militärische Zusammenarbeit begrüße und die Bereitschaft seines Landes zum Ausdruck brachte, das tunesische Militär weiter zu unterstützen. Minister Bartégi lobte in der Erklärung die militärische Kooperation zwischen beiden Ländern, die in mehreren Bereichen ein sehr hohes Niveau erreicht habe. Er hoffe, dass diese Zusammenarbeit weiter verstärkt werde, insbesondere in den Bereichen Ausbildung, Austausch von Fachwissen und Grenzsicherheit.

Auch arbeiten Deutschland und Tunesien rüstungspolitisch zusammen. Dessen Landstreitkräfte haben die Maschinenpistole MP5 von Heckler & Koch sowie das Maschinengewehr MG3 von Rheinmetall im Arsenal. Die tunesische Marine hat 2005 von der Bundesrepublik sechs gebrauchte Flugkörper-Schnellboote der “Albatros”-Klasse 143 von Lürssen erstanden.

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