Annäherung zwischen VR China und Taliban

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(Foto: BS/Außenministerium der VR China)

Wie das Peking-Büro des US-Nachrichtensenders CNN heute berichtet, hat sich gestern Wang Yi (Foto), Außenminister der Volksrepublik (VR) China, mit Führern der sunnitischen Terrormiliz der Taliban in der nordöstlichen chinesischen Hafenstadt Tianjin zum Meinungsaustausch getroffen. Diese offiziell freundschaftlich geführten Gespräche fanden vor dem Hintergrund des aktuell stattfindenden US-Truppenabzugs aus Afghanistan statt.

Beobachter deuten diese Begegnung als weiteres Zeichen der Annäherung zwischen dem kommunistischen “Reich der Mitte” und den islamistischen “Koranschülern”, die sich in ihrer Heimat auf dem militärischen Vormarsch befinden. Dabei scheint es die Taliban nicht zu stören, dass ihre Glaubensbrüder der muslimischen Minderheit der Uiguren in der Unruheprovinz Xinjiang im Westen der Volksrepublik massiv von den chinesischen Sicherheitsorganen unterdrückt und verfolgt werden.

Minister Wang bezeichnete die “Koranschüler” während einer Unterredung mit Mullah Abdul Ghani Baradar, Mitbegründer der Taliban und Vorsitzender von deren Politischen Abteilung, als “wichtige militärische und politische Kraft” am Hindukusch, die künftig eine wichtige Rolle im “Prozess des Friedens, der Versöhnung und des Wiederaufbaus” spielen würden. Auch die Leiter der Abteilungen für Religion und Öffentlichkeitsarbeit der Taliban nahmen an diesem Treffen teil.

Den Abzug der amerikanischen und NATO-Truppen bezeichnete der Pekinger Außenminister als “Scheitern der US-Politik gegenüber Afghanistan”, womit er nicht unrecht hat. Die Volksrepublik hingegen würde “Afghanistans souveräne Unabhängigkeit und territoriale Integrität” respektieren und die “Nicht-Einmischung in die inneren Angelegenheiten Afghanistans” fordern. Jetzt erst bestehe die “Gelegenheit für die Stabilisierung und Entwicklung des Landes”, behauptet Wang allen Ernstes.

Was den Treffpunkt Tianjin betrifft, so sollte dieser offenkundig möglichst weit entfernt von dem Wachan-Korridor liegen, der einst eine neutrale Zone zwischen Britisch-Indien und dem zaristischen Zentralasien bilden sollte. Dieser schmale, rund 300 Kilometer lange Landstrich im Pamir-Gebirge bildet an seinem östlichen, nur wenige Kilometer breiten Ende die gemeinsame Grenze zwischen Afghanistan und der VR China. Im Norden des Korridors verläuft die Grenze zu Tadschikistan und im Süden zu Pakistan.

Internationale Implikationen

Tadschikistan ist für Peking insofern von Belang, weil sein gigantisches Infrastrukturprojekt “Neue-Seidenstraße” teilweise nördlich Afghanistans durch die ehemaligen Sowjet-Republiken Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan führen soll. Auch wird angeblich geplant, das “China-Pakistan Economic Corridor”-Projekt (CPEC) auf Afghanistan auszuweiten.

US-Außenminister Antony Blinken, der zur gleichen Zeit des Tianjin-Treffens in Neu-Delhi weilte, betonte, dass sowohl die Vereinigten Staaten als auch Indien ein “starkes Interesse an einem friedlichen, sicheren und stabilen Afghanistan” hätten. Schließlich unterhält Indiens Erzfeind Pakistan enge Beziehungen zu den Taliban.

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