Mehr Rauschgiftkriminalität in Deutschland

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In Deutschland wurde im vergangenen Jahr wieder mehr Rauschgiftkriminalität polizeilich erfasst. (Foto: BS/Zoll)

Hierzulande steigt die Rauschgiftkriminalität weiter an. Im vergangenen Jahr wurden polizeilich insgesamt 365.753 Fälle registriert. Das sind 1,7 Prozent mehr als 2019. Zugleich ist Rauschgiftkriminalität weiterhin das größte Betätigungsfeld von Gruppierungen der Organisierten Kriminalität (OK).

So wurden 2020 erneut mehr als ein Drittel der OK-Verfahren in Deutschland wegen des Verdachts des Handels oder Schmuggels von Rauschgift geführt. Ermittelt wurden 284.723 Tatverdächtige, die zunehmend bewaffnet und gewaltbereit sind. Der größte Zuwachs der Handelsdelikte war bei den sogenannten Neuen Psychoaktiven Stoffen. Dabei handelt es sich unter anderem um synthetische Cannabinoide, die teilweise auch als “Legal Highs” bezeichnet werden. Hier war laut Bundeslagebild des Bundeskriminalamtes (BKA) eine Zunahme um 16,2 Prozent zu verzeichnen. Bei Kokain stiegen die Handelsdelikte im gleichen Zeitraum um 9,6 Prozent, bei Crystal Meth um 7,2 Prozent. Das am häufigsten gehandelte Betäubungsmittel war auch 2020 mit 31.961 polizeilich erfassten Fällen wieder Cannabis, gefolgt von Amphetaminen (5.581 erfasste Delikte).

Weniger Kokain-Handel

Zurückgegangen ist derweil der Handel mit Heroin. Hier war eine Abnahme gegenüber 2019 um 4,9 Prozent zu verzeichnen. Der Präsident des BKA, Holger Münch, erklärte: “Die Rauschgiftkriminalität steigt seit Jahren an und gewinnt weiter an sicherheitspolitischer und gesellschaftlicher Bedeutung.” Auch die Ermittlungen sowie die Auswertung der EncroChat-Daten zeigten das erhebliche Ausmaß und das wachsende Gewaltpotenzial in diesem Phänomenbereich.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, meinte: “Wir sehen eine steigende Anzahl an Straftaten im Zusammenhang mit Drogen in Deutschland und der EU, die immer brutaler, immer skrupelloser ausgeführt werden.” Sie erwarte, dass hier eine Allianz aufgebaut werde, die starke Prävention betreibe und der organisierten Drogenkriminalität in Deutschland Einhalt gebiete, verlangte Ludwig.

Jörg Radek, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), betonte: “Rauschgiftkriminalität ist bekanntermaßen ein polizeiliches Kontrolldelikt. Will man der Lage Herr werden, muss man dazu die entsprechenden Ressourcen schaffen. Aber das muss man auch wollen, sage ich in aller Deutlichkeit in Richtung Politik.”

Die Corona-bedingten Beschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens hatten laut Lagebild übrigens kaum Einfluss auf die Rauschgiftkriminalität. Drogen seien weiterhin in hohem Maße verfügbar gewesen.

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