Handlungsbedarf gegen sterbende Innenstädte

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Der Onlinehandel gewinnt schon seit längerem immer mehr die Oberhand gegenüber dem lokalen Einzelhandel und entzieht den Innenstädten die Besucher. (Foto: Tama66, pixabay.com)

Eine Studie des Ifo-Instituts und Prognosen des Handelsverband HDE gehen davon aus, dass sich die Verbraucher in Deutschland zunehmend an den Onlineeinkauf gewöhnen. Über die richtigen Maßnahmen ist man sich noch uneinig.

Eine Paketsteuer für Onlinehändler könnte laut Drogerie-Unternehmer Raoul Roßmann die Innenstädte retten. “Wenn ich für ein online bestelltes Paket fünf Euro mehr bezahlen muss, als wenn ich die Produkte stationär erwerbe, dann überlege ich genau, ob es mir das wert ist.” Nur so könne man Milliardenschwere Förderprogramme für Einzelhandel und Innenstädte umgehen. Dem schließt sich auch FDP-Fraktionsvize Michael Theurer an: “Deutschland ist zum Hochsteuerland geworden und der Mittelstand und die hart arbeitende Mitte der Gesellschaft müssen zahlen, während die Digitalkonzerne in der Krise abkassieren.” Die Silicon-Valley-Konzerne müssten endlich ihren fairen Steuerbeitrag leisten.

HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth plädiert hingegen für die Sicherstellung eines fairen Wettbewerbs unter Einhaltung aller Regeln und Gesetze. “Strafe bei Erfolg – das kann es nicht sein”, sagt er. Diese Einschätzung teilt auch die Finanzexpertin der Grünen, Lisa Paus. Auch kleine Händler, die sich mit dem Onlinehandel ein zweites Standbein aufbauen, würden durch eine Paketsteuer abgestraft. Und Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), fordert von der Politik klare und verbraucherfreundliche Regeln für die digitalen Plattformen. Internetgiganten müssten demnach ihren Transport ökologischer gestalten und bei fehlerhaften Produkten stärker haften.

Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, erklärt das Problem so: “Die großen Onlinehändler verkaufen weltweit, leisten aber keinen angemessenen Beitrag zur Finanzierung der öffentlichen Infrastruktur.” Es gebe daher einen unfairen Wettbewerbsvorteil, bei dem der stationäre Handel nicht mithalten könne. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, fordert daher: “Eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ist dringend geboten, damit der stationäre Einzelhandel sich im Wettbewerb gegen den Onlinehandel behaupten und Arbeitsplätze sichern kann.”

Der Handelsverband rechnet im Gesamtjahr 2021 mit einem Umsatzwachstum von 1,5 Prozent für den Einzelhandel. Der Onlinehandel legte hingegen allein von Januar bis Juni um 26,6 Prozent zu. Um den negativen Folgen dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurden vom Bundesinnenministerium Vertreter der Städte und des Handels ein einem Innenstadt-Beirat zusammengerufen, um eine “Innenstadtstrategie” zu erarbeiten. Zudem sind Städte und Gemeinden aufgerufen Projektvorschläge für innovative Konzepte und Handlungsstrategien zur Stärkung der Innenstädte einzubringen.

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