Digitale Trimm-Dich-Initiative mit Influencer/-innen

0
614
Wie können die Digitalkompetenzen von Bürger/-innen gestärkt werden? Dr. Jens Zimmermann, digitalpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion schlägt eine digitale "Trimm-Dich-Initiative" mit Influencer/-innen vor und erhält dabei in einer Diskussionsrunde von der Initiative D21 breite Zustimmung. (Foto: Gerd Altmann, pixabay.com)

Die Anwendungskompetenzen mit digitalen Inhalten von Bürger/innen in Deutschland sind souverän und ausgeprägt. Das gleiche gilt für die Nutzung von digitalen Anwendungen und Geräten. Allerdings verstehen nur wenig die dahinterliegenden Mechanismen und Zusammenhänge, wie die Studie “Digital Skills Gap” von der Initiative D21 feststellt. Die Abgeordneten für Digitalpolitik des Bundestags schlagen als Lösungsoptionen digitale “Trimm-dich-Aktionen” oder eine Bundeszentrale für digitale Medienbildung vor. Jedoch sind nicht alle von den umfassenden Digitaloffensiven gleichermaßen überzeugt.

Die digitalen Nutzungskompetenzen sind neben der sozioökonomischen Stellung auch stark vom Alter abhängig. Bei den über 70-jährigen gibt nur noch ein Viertel an, entsprechende Angebote zu kennen und zu nutzen. Bei den 14-19-jährigen liegt die Quote bei fast 70 Prozent. Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21 stellt fest, dass die Digitalkompetenzen nicht in dem Maße steigen, wie die Nutzungsintensität und fordert deshalb konkret messbare Ziele, um die digitale Affinität zu erhöhen.

Vorbild Uruguay

Die Linken-Politikerin Anke Domscheit-Berg wünscht sich vor allem eine digitale Infrastruktur und Möglichkeiten zur Teilhabe für alle Bürger/-innen. Ähnlich wie bei den derzeit geplanten Impfaktionen sollen niedrigschwellige Angebote dort angeboten werden, wo die Menschen eh schon seien: “Das heißt Pflegeheim, Volkshochschule und Bibliotheken.” Besonders Kommunen sollten für diese Aufgaben betraut werden, so die Digitalabgeordnete. Des Weiteren wünscht sich Domscheit-Berg eine digitale Grundsicherung nach dem Vorbild von Uruguay: “Dort kriegt jedes Schulkind seit 2005 einen Laptop zur Einschulung.” Die Nutzungskompetenzen dieser Schüler/-innen seien dort auf einem guten Niveau, weil die Kinder unabhängig von Bildungsstand und sozioökonomischen Status schon früh lernen ein digitales Endgerät zu nutzen.

In Deutschland scheitern viele Befragte schon an “gewöhnlichen” Digitalisierungshindernissen wie das Einrichten einer Videokonferenz (59 Prozent). Auch das Erkennen von Fake News stellt die Bürger/innen vor Herausforderungen: Nur 61 Prozent gaben an, dass sie unseriöse Nachrichten erkennen könnten.  Thomas Heilmann, Digitalpolitiker der CDU möchte vor allem den “Spaß an der Digitalisierung” in den Vordergrund stellen: “Nicht jeder muss eine Videokonferenz einsetzen können. Wir müssen den Menschen zeigen, dass sie sich ein paar Skills bereits angeeignet haben und auch spielerisch durch Ausprobieren Erfolge erreichen können. Wir sollten weniger über Ansprüche an die Bürger/-innen reden, sondern ihnen das Gefühl geben, dass digitale Kompetenzen nicht so schwer wie gedacht sind und sie das auch schaffen können.”

Kooperation mit Influencer/-innen?

Neben den zahlreichen Vorteilen, welche die Digitalisierung bietet, sollte man den Menschen auch die Sorgen des digitalen Wandels nehmen, argumentiert Dr. Jens Zimmermann, digitalpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Als größte Angst nennt Zimmermann den Verlust des Arbeitsplatzes. Ferner schlägt der Sozialdemokrat niedrigschwellige Kampagnen wie eine digitale “Trimm-Dich-Initiative” in Kooperation mit Influencer/-innen vor.  Auch die Online-Ausweitung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks könnte dienlich dabei sein, um mehr Menschen zu erreichen und weiterzubilden.

Die Grünen-Politikerin Dr. Anna Christmann möchte die Digitalkompetenzen vor allem durch problemorientiertes Lernen steigern: “Die Digitalisierung muss Probleme lösen, die die Menschen beschäftigen.” Dabei plädiert sie auch für die Änderung der Ministeriumsstrukturen und eine Anpassung der Arbeitsweise, welche dem digitalen Zeitalter gerecht wird: “Die Leute wollen lernen, wenn sie es brauchen” argumentiert die Abgeordnete. Ähnlich wie Zimmermann schlägt sie dafür konkrete Ziele vor: Die Gründung einer Bundeszentrale für digitale- und Medienbildung analog zur Bildungszentrale für politische Bildung mit der Aufgabe des Kompetenzerwerbs im Bereich digitale Bildung und der Bewertung von Informationen.

Die Liberalen – welche schon im Bundestagswahlkampf 2017 mit dem Slogan “Digital first, Bedenken second” auf sich aufmerksam gemacht haben, zeigen ebenfalls konkrete Maßnahmen zur Steigerung der Digitalkompetenz auf. Johannes Vogel, stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP wünscht sich vor allem eine Aneignung von digitalen Inhalten bereits in den Schulen: “Wer eine weiterführende Schule verlässt sollte ein Grundverständnis von Algorithmen, Programmiersprachen, Medienkompetenz und Kompetenzkompetenz haben.” Des Weiteren erklärt er, dass mündige Bürger/-innen die Teilhabe an öffentlichen Debatten verstärken könnten.

Inwiefern diese Vorschläge den Weg in einen Gesetzesinitiative in der kommenden Legislaturperiode schaffen werden, bleibt abzuwarten. Eins ist aber klar: Es wird vor allem wichtig sein, Menschen jenseits von Bürotätigkeiten für digitale Kompetenzen zu motivieren, die im Arbeitsalltag nicht täglich mit Fragen rund um die Digitalisierung beschäftigt sind.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here