Wurde Afghanistan erobert oder abgekauft?

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Verhandlungen mit Dorfältesten während des Afghanistan-Einsatzes. Laut Informationen der Washington Post haben auch die Taliban verhandelt und Afghanistan gewissermaßen gekauft. (Foto: BS/U.S. Army)

(BS) Die Taliban trafen während ihres Vormarsches auf keinen nennenswerten Widerstand durch die afghanische Armee. Dabei waren die regulären afghanischen Kräfte durch den Westen sehr gut ausgerüstet und ausgestattet. Die Washington Post schreibt nun, dass die Taliban sich die Kapitulation der Soldaten erkauft hätten. “Der spektakuläre Zusammenbruch des afghanischen Militärs, der es Taliban-Kämpfern ermöglichte, trotz 20-jähriger Ausbildung und amerikanischer Hilfe in Milliardenhöhe am Sonntag bis vor die Tore Kabuls vorzudringen, begann mit einer Reihe von Vereinbarungen, die in ländlichen Dörfern zwischen der militanten Gruppe und einigen der rangniedrigsten afghanischen Regierungsbeamten getroffen wurden”, berichtet die Washington Post am 15. August.

Führer der Taliban hätten Geld geboten, damit die Regierungstruppen ihre Waffen abgäben, schreibt die Zeitung unter Berufung auf einen afghanischen Offizier und einen U.S.-Beamten. Begonnen habe dieser Prozess nach dem Friedensvertrag zwischen den USA und den Taliban im Februar 2020, dem Doha-Abkommen. Die Preise für die Kapitulation seien also teilweise vorverhandelt gewesen. “Im Laufe der nächsten anderthalb Jahre wurden die Treffen auf Distriktebene und dann rasch auf Provinzhauptstädte ausgedehnt und gipfelten in einer atemberaubenden Reihe von ausgehandelten Kapitulationen der Regierungstruppen, wie aus Interviews mit mehr als einem Dutzend afghanischer Offiziere, Polizisten, Spezialeinheiten und anderen Soldaten hervorgeht”, berichtet die Washington Post. “Während die Kämpfer ihre Kontrolle ausweiteten, fielen die von der Regierung gehaltenen Bezirke zunehmend kampflos. Kundus, die erste wichtige Stadt, die von den Kämpfern überrannt wurde, wurde vor einer Woche eingenommen. Tagelange Verhandlungen unter Vermittlung von Stammesältesten führten zu einem Kapitulationsabkommen, mit dem der letzte von der Regierung kontrollierte Stützpunkt an die Taliban übergeben wurde. Kurz darauf führten Verhandlungen in der westlichen Provinz Herat zum Rücktritt des Gouverneurs, hochrangiger Beamter des Innenministeriums und des Geheimdienstes sowie Hunderter von Soldaten. Das Abkommen wurde in einer einzigen Nacht abgeschlossen.”

Berichterstattung des Behörden Spiegel zur Evakuierungsmission:

1 Kommentar

  1. An der Stelle erinnere ich mich an eine Geschichte die mir ein US-Offizier vor Jahren erzählt hat:

    Ein kleiner afghanischer Aussenposten wurde von Taliban belagert. Der Kommandant forderte Munitionsnachschub an der wegen der unklaren Lage per Fallschirm abgeworfen wurde und 50 Meter neben dem Aussenposten landete. Freiwillige wurden rausgeschickt die Ausrüstung zu bergen. Sie luden die Kiste auf einen Lastwagen, fuhren ins nächste Dorf und kamen ohne Ausrüstung, Lastwagen und zu Fuß zurück.

    Vom Kommandanten zur Rede gestellt meinten sie daß sie die Ausrüstung an die Taliban verkauft hätten ohne weiteres Schuldbewußtsein. Anschliessend wurden sie vom Kommandanten zusammengeschissen daß sie schlecht verhandelt hatten und ihnen daher kein Anteil zusteht. Als diese Entwicklung den US-Begleitern bekannt wurde meldeten sie das nach oben worauf der Kommandant ebenfalls von oben zusammengeschissen wurde. Er blieb im Amt und zahlte nunmehr einen Anteil nach oben weiter.

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