Deutschland evakuiert nach Liste

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Vom Stützpunkt Taschkent in Usbekistan braucht eine A400M nur anderthalb Stunden bis Kabul. Sie fliegen los, sobald die amerikanischen Kräfte der Bundeswehr Zeitslots zugewiesen haben. (Foto: Bundeswehr/Kevin Schrief)

Die Frage, warum Deutschland gestern nur sieben Personen ausflog, bewegt die Gemüter. Die Antwort ist sehr einfach: Deutschland evakuiert nach Liste. Nur wer auf dieser Liste steht, über einen gültigen Reisepass und ein Visum verfügt, kommt mit. Dies bestätigte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr gegenüber dem Behörden Spiegel: “Es gibt eine Liste von Personen, die für die Evakuierung vorgesehen sind.”

Von den auf dieser Liste stehenden Personen hatten es gestern nur sieben Menschen geschafft, abholbereit am Flughafen zu stehen. Dies sei den gestrigen Umständen geschuldet, sagte der Sprecher. Die amerikanischen Soldaten mussten den Zugang zum Flughafen absperren, um die Lage unter Kontrolle zu bringen und dadurch den weiteren Betrieb zu gewährleisten. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich allerding nur sieben Personen von der Liste innerhalb der Sperre.

Das Vorgehen nach Liste war allerdings nicht vom BMVg vorgegeben, sondern vom Auswärtigen Amt. “Die Zuteilung und die Abfertigung der zu Evakuierenden ist nicht Sache der Bundeswehr. Das läuft unter der Ägide des Auswärtigen Amtes”, bestätigte der Sprecher des Einsatzführungskommandos gegenüber dem Behörden Spiegel. “Diese Listen werden vom Auswärtigen Amt erstellt. Und wenn es sich um Afghanen handelt, brauchen sie zur Ausreise auch ein Visum.”

Die Maschine sei zudem nicht lange vor Ort gewesen. “Die sind gelandet, haben ihre Soldaten ausgeladen, haben die Leute eingeladen und sind wieder gestartet.” Der Sprecher ist allerdings zuversichtlich, dass bei den weiteren Flügen der Bundeswehr mehr Menschen aus Afghanistan geflogen werden können. “Wir haben mit der letzten Maschine Kräfte vor Ort reingebracht, die nun die reguläre Evakuierung organisieren sollen.”

Die deutschen Soldaten unterstützen allerdings nicht die amerikanischen Kräfte. “Die Amerikaner haben dort Tausende von Soldaten. Und da wären unsere paar Leute sicherlich nicht sonderlich hilfreich”, sagte der Sprecher von der Bundeswehr durchaus selbstkritisch. “Die deutschen Soldaten dienen dazu a) die Maschine abzusichern, wenn sie am Boden ist, und b) die Abfertigung zu organisieren. Also die Berechtigten zu identifizieren und sie sicher zur Maschine zu bringen. Die müssen ja auch kontrolliert werden, ob sie überhaupt ihr Visum haben, ob sie einen Pass haben, ob das die richtigen sind und ob sie auf den Listen stehen. Das muss schließlich organisiert werden. Und zur Absicherung dieses ganzen Vorgangs dienen die Soldaten, die jetzt dort tätig sind.” Auf die Frage, ob die Personen auch aus Kabul zum Flughafen gebracht würden, antwortete der Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr mit einem klaren Nein. “Das ist das große Problem. Das ist leider die Situation, die das Ganze erschwert. Wir haben zur Zeit keine Möglichkeiten, jemanden abzuholen.” Der Flughafen sei durch die Amerikaner quasi abgeriegelt und Kabul großflächig durch die Taliban kontrolliert. “Die Personen müssen sich schon selber irgendwie bis zum Flughafen durchschlagen.” Danach müssten die Personen auch noch bis zum Abfertigungsbereich gelangen, was dadurch erschwert würde, dass Tausende von Menschen den Flughafen belagerten. “Wir sind da nicht Herr der Lage”, sagte der Sprecher des Einsatzführungskommandos gegenüber dem Behörden Spiegel. “Wir können nur die registrieren und bearbeiten und auch mitnehmen, die tatsächlich vor Ort sind. Aber wie sie dahin kommen, da haben wir im Moment wenig Einfluss drauf.”

Berichterstattung des Behörden Spiegel zur Evakuierungsmission:

1 Kommentar

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    Unser Haus wurde von den Taliban Soldaten in Kabul im Dorf in Entfernung von ca 15-20 Kilometer von der Stadt Kabul angegriffen. Da meinen Vater beim Geheimdienst der ehemaligen Regierung gearbeitet hat, hatten die Taliban vor, ihn mitzunehmen um zu töten. Meinen Vater konnte weglaufen aber die Taliban haben meine Familie bedroht und Zeit gegeben, dass er innerhalb einer Woche Anwesend sein soll, außerdem werden sie gegen meine Familie eine Maßnahme treffen. Meine Familie hat momentan niemanden über sich. Meine Mutter fühlt sich im stich gelassen und allein. Ich bin Momentan komplett unter Schock.
    Wer kann Hilfe gebrauchen??
    Bzw wie könnte sie in Evakuierungsliste eintragen.
    Ich habe mehrere E-Mails an BAMF und 040Krise19 geschrieben aber noch keine Rückmeldung.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ahmadi

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