Limitierung der Evakuierung

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Deutschland evakuiert so viele Berechtigte wie möglich, aber zwei Faktoren limitieren die Möglichkeiten. Die Kapazitäten der A400M gehören nicht dazu. (Foto: BS/Luftwaffe)

(BS) Bei der internationalen Evakuierungsmission kommt es immer wieder aufgrund von zwei Flaschenhälsen zur nicht maximalen Auslastung der deutschen Transportflugzeuge. Das erste Problem sind die Menschenmassen vor dem Flughafen in Kabul, weshalb zu Evakuierende nur mit großen Schwierigkeiten in das Innere des Flughafens gebracht werden können. Der zweite Flaschenhals ist die Situation im Flughafen, da die USA zwischenzeitlich mehr Menschen in den Flughafen bringen als abtransportieren konnten. Mehrere tausend wartende Menschen sorgten in dem heißen und nicht dafür ausgelegten Flughafengelände für eine humanitäre Situation, die nicht wirklich tragbar war. Weshalb der Flughafen stundenweise komplett abgeriegelt und alle Gates geschlossen wurden, was auch Deutschland behinderte.

Vor allem die Schleuse in Doha, dem Hauptevakuierungsflughafen der USA, war von der großen Zahl der Ankommenden, deren Erfassung und Überprüfung, überlastet. Zwischenzeitlich mussten die USA alle Flüge aus Kabul aussetzen, nicht aus Sicherheitsgründen, wie teilweise vermutet, sondern wegen der Überlastung von Doha. Die USA fliegen mittlerweile auch über die Ramstein Air Base.

Der zweite Flaschenhals entsteht durch die Menschenmasse vor dem Flughafen. Es existiert gewissermaßen eine Wand aus Menschen um das Gebäude, die nicht zu kontrollieren ist. Kräfte vor Ort berichten von einer Veränderung der Zusammensetzung dieser Menschenmasse. Während es in den ersten Tagen hauptsächlich Familien waren, die auf der Flucht vor den Taliban in den Flughafen gelangen wollten, sind es mittlerweile vor allem junge Männer.

Dies führt zu einer deutlichen Verschärfung der Situation, da die jungen Männer weniger vorsichtig oder rücksichtsvoll agieren, als etwa eine Familie mit Kindern. Und sie verfügen über mehr Kraftpotential. Alle Gates des Flughafens von Kabul sind mittlerweile mit 20-Fuß-ISO-Containern gehärtet. Aber selbst mit diesem Schutz kommt es immer wieder zu kritischen Situationen. Es gibt keinerlei Rücksichtnahme zwischen den Menschen in der Masse vor dem Flughafen, so die Aussagen von Leuten vor Ort. Es herrsche ein brutaler Wettkampf, um in den Flughafen zu gelangen.

Für die Evakuierung bedeutet dieser Ring aus kräftigen jungen Männern ein Problem, da Frauen, ältere Menschen und Kinder sich durch diese Menge kaum bis zu den Gates durchschlagen können. Die rund 250 vor Ort befindlichen Kräfte von Bundeswehr, Auswärtigem Amt und Bundespolizei müssen also kreative und der aktuellen Situation angepasste Wege finden, um ihre Schützlinge in das Innere des Flughafens zu bringen. In Zusammenarbeit vor allem mit den USA, welche das Kommando über den Flughafen und die internationale Evakuierungsoperation haben. Die Kapazitäten der deutschen A400M waren bisher noch zu keinem Zeitpunkt das limitierende Element.

Berichterstattung des Behörden Spiegel zur Evakuierungsmission:

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