Äthiopien: der nächste “failed state”?

0
1334
Äthiopische Kampfpanzer vom sowjetischen Typ T-54/T55. (Foto: BS/AMISOM Public Information, CCO 1.0, flickr.com)

Während die ganze Welt mit Entsetzen auf das Chaos im zentralasiatischen Afghanistan schaut, kämpft auch das ostafrikanische Äthiopien um den Fortbestand seiner Staatlichkeit. Vorgestern erklärte US-Außenminister Antony Blinken: “Die Vereinigten Staaten sind besorgt, dass eine große Anzahl von eritreischen Streitkräften erneut in Äthiopien einmarschiert ist, nachdem sie sich erst im Juni zurückgezogen hatten.”

Unterdessen zwingen Aufständische der “Tigray Verteidigungskräfte” (TDF), des militärischen Arms der bis vergangenen November in der Unruheprovinz regierenden “Volksbefreiungsfront von Tigray” (TPLF), die äthiopische Armee zum Rückzug. Die TDF konnten den größten Teil ihrer Heimatregion zurückerobern.

Lange war die TPLF die bestimmende politische Kraft in ganz Äthiopien gewesen. Mit dem Amtsantritt im April 2018 von Ministerpräsident Abiy Ahmed Ali, der aus der südwestlichen Provinz Kaffa stammt, änderte sich das. Als die Spannungen zwischen der Regierung in Addis Abeba und der TPLF zunahmen, rückten im November Regierungstruppen in Tigray, der nördlichsten Verwaltungsregion des Landes, ein – gemeinsam mit Milizen der Nachbarregion Amhara und Armeeverbänden des Nachbarlandes Eritrea, das nördlich an die Regionen Tigray und Afar angrenzt.

Inzwischen haben die TDF einen Großteil der Region zurückerobert und Vorstöße in die östliche Nachbarprovinz Afar gemacht. Nun rücken sie von Norden und Nordosten in die südlich angrenzende Provinz Amhara ein, die das historische Kernland Äthiopiens darstellt.

In der Region Oromia, die südlich an Amhara angrenzt, bekämpft die sog. “Oromo-Befreiungsfront” (OLF) ebenfalls die Zentralregierung in Addis Abeba. Die Hauptstadt selbst bildet eine autonome Verwaltungsregion, die ihrerseits ganz von Oromia umgeben ist. Die OLF befindet sich inzwischen in einem losen Bündnis mit den TDF. Auch die OLF verzeichnet immer mehr Erfolge und drohte zuletzt, die wichtige Straßenverbindung ins Nachbarland Kenia zu unterbrechen.

Abiy Ahmed hatte im Juni 2018 seine Bereitschaft erklärt, die Regelungen des Grenzabkommens mit Eritrea von 2002 umzusetzen. Einen Monat später gab er bekannt, dass Äthiopien und Eritrea wieder diplomatische Beziehungen aufnehmen. Zugleich wurde ein Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern geschlossen, der dem äthiopischen Regierungschef 2019 den Friedensnobelpreis bescherte.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here