Dreh- und Angelpunkt der Evakuierungen aus Kabul: die “Hubs”

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Flüchtende Menschen gehen auf dem Rollfeld des Flughafens Kabul an Bord einer C-17A "Globemaster III" der Luftwaffe der Vereinigten Arabischen Emirate. (Foto: BS/U.S. Marine Corps/Samuel Ruiz)

Der Umfang der internationalen Flugbewegungen im Rahmen der Evakuierungsoperationen aus der afghanischen Hauptstadt war enorm. Hier ein Rückblick auf das Fluggeschehen.

Deutschlands Drehkreuz war der Flughafen der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Dieser liegt für einen Airbus A400M etwa anderthalb Flugstunden von Kabul entfernt. Somit konnten die Transportmaschinen in Usbekistan auf die Freigabe von Landeslots in Kabul durch die USA warten und schnell auf sich ändernde Lagen reagieren. Auch Polen evakuierte über Usbekistan.

Der wichtigste “Player” bei den Evakuierungsbemühungen, die Vereinigten Staaten, nutzte zunächst die Al Udeid Air Base westlich der katarischen Hauptstadt Doha. Auf dem Stützpunkt befindet sich auch das Vorgeschobene Hauptquartier des für die gesamte Region zuständigen U.S. Zentralkommandos (CENTCOM).

Ende August vereinbarten Deutschland und die USA, dass die Ramstein Air Base als Drehkreuz für Evakuierungen aus Kabul genutzt werden soll, um den Stützpunkt in Katar zu entlasten. Die USA hatten mehrere Stunden lang ihre Rettungsflüge von Kabul nach Doha unterbrechen müssen, weil dort die Kapazitäten erschöpft waren. Ramstein ist der wichtigste militärische Transport- und Frachtflughafen der US-Streitkräfte in Europa und die personell größte Einrichtung der US-Luftwaffe außerhalb der Vereinigten Staaten.

Nach Angaben von US-Außenminister Antony Blinken haben sich 13 Länder dazu bereit erklärt, vorübergehend Afghanen bei sich unterzubringen. Diese Menschen würden in Einrichtungen in Albanien, Kanada, Kolumbien, Costa Rica, Chile, dem Kosovo, Nordmazedonien, Mexiko, Polen, Katar, Ruanda, der Ukraine und Uganda unterkommen, teilte Blinken mit.

Auf Anordnung von Staatspräsident Emmanuel Macron hin führten die französischen Streitkräfte eigene Evakuierungsmaßnahmen (Opération Apagan) aus der afghanischen Hauptstadt aus. Als Drehkreuz für die Typen Lockheed C-130 “Hercules”, A400M “Atlas” und Airbus A330 “Phénix” diente der Luftwaffenstützpunkt Al Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) südlich von Abu Dhabi.

Der Sprecher der Royal Air Force (RAF) im britischen Verteidigungsministerium wies gegenüber dem Behörden Spiegel in Bezug auf die Evakuierungsflüge (Operation Pitting) darauf hin, dass die Orte der Drehkreuze im Mittleren Osten aus Rücksicht auf “Empfindlichkeiten der Gaststaaten” nicht genannt würden. Trotzdem wurde bekannt, dass die RAF intensiv die Al Minhad Air Base südlich von Dubai in den VAE als “Hub” nutzte. Auch die Luftwaffen Australiens und Neuseelands flogen Al Minhab als Drehkreuz zwischen Kabul und Perth an: die Royal Australian Air Force (RAAF) mit ihren dort stationierten C-130J und A330 (KC-30A) und zusätzlich mit Boeing C-17A “Globemaster III” sowie die Royal New Zealand Air Force (RNZAF) mit einer C-130H vom Luftwaffenstützpunkt Auckland aus.

Britische C-17A und C-130J pendelten zwischen Kabul und Al Minhad. Von dort ging es weiter mit dem A330 “Voyager” zur RAF Station Brize Norton westlich von London. Brize Norton ist der größte Stützpunkt der Royal Air Force. Außerdem ist auf der Al Udeid Air Base in Katar die “No. 83 Expeditionary Air Group” (EAG) der RAF stationiert.

Während die letzten Soldaten des italienischen Kontingents auf dem Militärflughafen von Pisa eingetroffen waren, wurden die Evakuierten aus Afghanistan zur Aviano Air Base im Nordosten der Apennin-Halbinsel geflogen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Rom pendelten vier taktische Transportflugzeuge vom Typ C-130J zwischen Kabul und der Ahmed Al Jaber Air Base in Kuwait. Von dort aus flogen drei strategische Transportflugzeuge vom Typ KC-767 weiter nach Italien.

Die Niederlande hatten Mitte August ihre ersten Staatsangehörigen evakuiert. Ein Flugzeug mit etwa 35 niederländischen, belgischen, deutschen und britischen Staatsangehörigen hatte Kabul verlassen mit dem Ziel Tiflis, Hauptstadt Georgiens, teilte das Verteidigungsministerium in Den Haag auf Twitter mit. Niederländische C-130H flogen auch Afghanen in die pakistanische Hauptstadt Islamabad.

Erste Station der spanischen Luftwaffe war der Al Maktoum International Airport in Dubai. Von dort ging es weiter zum militärischen Teil des Flughafens Madrid-Torrejón. Einige Afghanen bleiben in Spanien, andere sind bspw. schon nach Dänemark und in baltische Staaten weitergereist.

Eine aus Kabul kommende indische C-17A landete zum Auftanken in Jamnagar im westlichen Bundesstaat Gujarat, um anschließend nach Neu-Delhi weiterzufliegen. Israel setzte private Charter-Flugzeuge ein, da Kabul für Maschinen der eigenen Luftwaffe mit Davidstern als Hoheitszeichen zu gefährlich wäre. Außerdem führten unter anderem Belgien, Dänemark, Kanada, Kasachstan, Russland, Schweden, Tschechien, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate jeweils eigene Evakuierungsflüge durch.

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