Vertrauen sinkt, Erwartung steigt

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Die forsa-Umfrage des DBB Beamtenbund und Tarifunion gibt einen aktuellen Einblick in die derzeitige Wahrnehmung der staatlichen Kräfte seitens der Bevölkerung sowie Beamtinnen und Beamten und Tarifbeschäftigten des ÖD. (BS, Tumisu, pixabay.com)

Die aktuelle forsa-Umfrage des DBB Beamtenbund und Tarifunion belegt einen besorgniserregenden Trend bezüglich des Vertrauens der Bevölkerung in die Leistungsfähigkeit des Staates. Auch die Zufriedenheit seitens Beamtinnen und Beamten sinkt – während die Erwartungshaltung an die neue Regierung steigt.

Im vergangenen Jahr – zu Beginn der Pandemie – lag die allgemeine Zustimmung noch bei 56 Prozent. Diese ist laut Umfrage im Juli 2021 auf 45 Prozent gesunken. 51 Prozent der rund 2.000 Befragten gaben sogar explizit an dem Staat nicht zuzutrauen seine vielfältigen Aufgaben zu erfüllen. Diese ablehnende Haltung vertreten laut Umfrage tendenziell eher Anhänger der Linken (55 Prozent), der FDP (67 Prozent) und der AFD (89 Prozent), wobei Manfred Güllner, Geschäftsführer des Forsa-Instituts, die Einstellung letztgenannter als “Zweifel an allem außer sich selbst” einordnet. Insgesamt ist die Gesamtzufriedenheit mit der staatlichen Handlungsfähigkeit sehr viel geringer als zum Zeitpunkt der letzten Bundestagswahl. Sowohl in den Bereichen Pandemiebewältigung und Umwelt- und Klimaschutz als auch Schul- und Bildungspolitik sowie Asyl- und Flüchtlingspolitik sehen die Befragten den Staat überfordert.

Während 2017 das Thema Flüchtlinge und Integration mit 48 Prozent besonders wichtig für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst (ÖD) war, ist es in diesem Jahr mit 51 Prozent der Umwelt- und Klimaschutz, um den sich die neue Regierung vorrangig kümmern sollte. Im Wahlkampf selbst sind hingegen viele verschiedene Themen relevant, woraus sich eine hohe Erwartungshaltung der ÖD-Beschäftigten an die kommende Legislatur ableiten lässt. Das belegt auch die Rückläufige Zufriedenheit mit der Demokratie, wie sie momentan in Deutschland besteht. Diese ist von 2017 bis 2021 um 12 Prozentpunkt gesunken. Lediglich 55 Prozent der Beamtinnen und Beamte sowie Tarifbeschäftigte sind demnach mit der Demokratie zufrieden, 12 Prozent sind sogar unzufrieden – eine Verdoppelung seit 2017.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der forsa-Umfrage ist derzeitige Parteipräferenz. Ende August würden demnach 32 Prozent der befragten Beschäftigten im öffentlichen Dienst die Partei Bündnis 90/Die Grünen wählen, es folgt die CDU/CSU mit 28 Prozent und die SPD mit 16 Prozent. Der große Zuspruch für die Grünen ist trotz Relevanz des Themas Umwelt- und Klimaschutz für Ulrich Silberbach, Bundesvorsitzender des DBB, überraschend. Die von den Grünen präferiere Bürgerversicherung sei eigentlich ein schwarzes Tuch für Beamtinnen und Beamte. Er vermutet, dass der Klimaschutz und damit die Sicherheit zukünftiger Generationen vielen Beschäftigten des ÖD wichtiger sei als der eigene Beamtenstatus und die damit einhergehenden Versicherungsvorteile.

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