Es fehlt der Unterbau für die Landes- und Bündnisverteidigung

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Oberst Jürgen Schmidt, Abteilungsleiter Kampf im BAAINBw, gab Einblicke in die notwendige Umstellung. (Foto: BS/Frank)

Vergangene Woche fand in Koblenz über zwei Tage die RüNET statt, eine von CPM organisierte und in Zusammenarbeit mit dem BAAINBw veranstaltete Rüstungsmesse, bei der das Vortragsprogramm mit Reden zu deutschen Vorhaben durch eine begleitende Ausstellung abgerundet wurde. Hierbei präsentierten 45 Fachaussteller auf rund 800 m² Ausstellungsfreifläche Großgerät und Systeme.

Eine Einführung in die Thematik der Landes- und Bündnisverteidigung sowie deren Herausforderungen für das Rüstungs- und Nutzungsmanagement gab im Vortragsprogramm Oberst Jürgen Schmidt, Abteilungsleiter Kampf im BAAINBw. “Wir haben 30 Jahre lang die Bundeswehr zurück gefahren in der konzeptionellen Annahme: Zwei Einsatzgebiete”, beschrieb Oberst Schmidt. “Das ganze Unternehmen Bundeswehr wurde zusammengeschrumpft und alle Bemühungen zur Landes- und Bündnisverteidigung wurden zurückgefahren.” Die Anforderung sei gewesen, nur noch zwei Einsätze gleichzeitig unterstützen zu können.

Die Unterschiede zwischen dieser Ausrichtung auf den Einsatz und der neuen Ausrichtung auf die Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) ließen sich deutlich an Beispielen aufzeigen. So gab es nach Jahrzehnten der Ausrichtung auf den Einsatz im Grunde keine Reservisten mehr. Auch die Schließung der logistischen Basis sei ein Ergebnis dieser Sparjahre. “Wir hatten die Munition für ein Jahr Ausbildung bevorratet”, sagte Oberst Schmidt. Diesen Bestand schnell und kurzfristig aufzustocken ginge allerdings nicht, da das Pulver in der Munition teilweise bis zu einem Jahr reifen müsse.

Die Neuorientierung hin zur LV/BV erfordere nun ein komplettes Umdenken. “Ich bin jetzt seit 40 Jahren Soldat. Die LV/BV endete 1990 und seitdem ist niemand mehr da, der weiß, was das überhaupt alles bedeutet.” Besonders die logistische Versorgbarkeit von Waffensystemen sei weiterhin ein Sorgenkind, da in der Vergangenheit oft – zur Reduzierung des Gesamtbetrags – die Logistik und Ersatzteilversorgung gekürzt worden sei. Wenn nun allerdings im Sinne der LV/BV eine 30-Tage-Durchhaltefähigkeit gefordert werde, dann seien ganz andere Nutzungsprofile, Lager- und Instandhaltungskapazitäten notwendig, als bei der Ausrichtung auf den Einsatz mit der Anforderung, dass nur zwei Einsatzgebiete gleichzeitig unterstützt werden müssen. “Es fehlen Logistikbataillone”, sagte Oberst Schmidt. “Auch hier muss die LV/BV hinterlegt sein.”

Weitere Herausforderungen ergäben sich durch die Zeiträume für Beschaffungen, welche sich angesichts der Vielzahl an notwendigen Zwischenschritten und Vergabevorgaben kaum verkürzen ließen. “Wir reden von grundsätzlich fünf Jahren, bis das Produkt verfügbar ist”, beschrieb Oberst Schmidt die üblichen Beschaffungszyklen, von der ersten Forderung bis hin zum System auf dem Hof. Diesen langen Vergabe- und Beschaffungszyklen stünde die Jährlichkeit des Haushalts gegenüber, welche die Rüstung  immer wieder “im Kern trifft”.

Die wirklich große Herausforderung bleibe allerdings für seinen Rüstungsbereich, resümierte Oberst Schmidt: “Etwas zu finden, das State-of-the-Art ist, und dennoch bezahlbar.”

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