Streit über Folgen von Motorradlärm

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Diskutierten über die Folgen von Motorradlärm und das mögliche Vorgehen dagegen (von links oben im Uhrzeigersinn): Marco Schmunkamp, Bennet Klawon (Moderation), Peter Westermann, Rolf Frieling und Edith Götz. (Screenshot: BS/Feldmann)

In einigen Regionen Deutschlands sind die Anwohner sehr stark von lauten Motorrädern betroffen. Das gilt insbesondere an Bundes- und Landstraßen. Die Folgen für die Bürgerinnen und Bürger sind zum Teil sehr weitgehend. Aber nicht überall wird das Problem in dieser Vehemenz gesehen.

So berichtet etwa der Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Nideggen im Landkreis Düren, Marco Schmunkamp, von Fällen, in denen Lärmgeplagte nicht mehr in ihren Häusern leben wollten und könnten und diese deshalb verkaufen wollten. Ähnliches ist von Edith Götz, stellvertretende Vorsitzende der Vereinigten Arbeitskreise gegen Motorradlärm (VAGM), zu vernehmen. Sie weist zudem darauf hin, dass Lärmbelastungen die Gefahr von Herzerkrankungen erhöhten. Aus diesem Grunde müssten aus ihrer Sicht die Dezibelzahlen, die durch Motorräder verursacht werden, deutlich abgesenkt werden. Denn, so Götz: “Der Gesundheitsschutz der Anwohner ist höher zu bewerten als der Freizeitspaß einiger weniger.” Das gelte unabhängig davon, dass es bislang noch keine wissenschaftlichen Studien zu den konkreten Auswirkungen von durch Zweiräder verursachten Lärm gebe, ergänzt Schmunkamp. Auch ihm geht es um weniger Lärmbelästigung durch Biker und weniger um Streckensperrungen. Vielmehr brauche es laut dem Kommunalpolitiker, der auch der Initiative “Silent Rider” vorsteht, eine Schallobergrenze für Motorräder. Zudem müsse das einfache Manipulieren von Motorrädern erschwert werden. Hierzu brauche es unter anderem höhere Bußgelder mit einem entsprechenden Abschreckungseffekt im Falle von Zuwiderhandlungen, meint Schmunkamp. Darüber hinaus müssten gerichtsfeste Lautstärkemessverfahren geschaffen werden. Diese stünden der Polizei bislang nur eingeschränkt zur Verfügung. Und es brauche dringend ein Front- oder Helmkennzeichen für Motorradfahrer, um sie im Falle von festgestellten Geschwindigkeitsübertretungen leichter identifizieren zu können.

Viele dieser Forderungen kann der Leiter der Verkehrspolizeiinspektion beim Polizeipräsidium Offenburg, Peter Westermann, nur unterstützen. So würden auch aus seiner Sicht höhere Bußgeldsätze helfen. Zudem sollten seine Kollegen und er in Zukunft mit einfachen Mitteln Fahrgeräusche messen können. Zugleich musste der Polizeibeamte aber auch einräumen, dass es auch künftig nicht möglich sein werde, alle “Lärmstrecken” und Hotspots zu überwachen. Die Kritik nicht nachvollziehen kann Rolf Frieling, Vorsitzender der Biker Union. Seines Erachtens trete Motorradlärm nur an einigen Hotspots, ausschließlich bei gutem Wetter und nur tagsüber auf. Hierfür erntete er im Rahmen einer Diskussionsrunde auf der Behörden Spiegel-Plattform NeueStadt.org jedoch deutlichen Widerspruch.

1 Kommentar

  1. … es wäre natürlich sehr schön gewesen, auch darauf einzugehen, warum wir die Forderungen der “Silent Rider”-Initiative kritisch sehen. Wie ich in der Diskussion ausführlich dargelegt habe, sind ein großer Teil der Forderungen bereits heute geltendes Recht, das lediglich angewendet werden muß. Dafür müssen die Länder die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, die die vom Lärm geplagten Anwohner seit Jahren im Regel stehen lassen.
    Rolf Frieling
    Biker Union e.V.
    Vorsitzender

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