KSK rettete bei Nachteinsätzen deutsche Zivilisten in Kabul

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Zwei Mehrzweck-Hubschrauber des Typs Airbus Helicopters H145M wurden für den Einsatz von Spezialkräften in die afghanische Hauptstadt geflogen. (Foto: BS/Bundeswehr/Jane Schmidt)

Wie die Bundeswehr am 22. September auf ihrer Homepage berichtet, hat das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr in der Schlussphase der militärischen Evakuierungsmission auf dem internationalen Flughafen von Kabul einige spektakuläre Einsätze durchgeführt. KSK-Soldaten brachten Ende des vergangenen Monats fast einhundert schutzberechtigte Menschen in Sicherheit. Dazu verließen sie nachts unter erheblichem eigenem Risiko das Flughafengelände und nahmen die Schutzsuchenden an zuvor vereinbarten Treffpunkten auf.

Zweimal waren die Kommandosoldaten in der Nacht vom 25. auf den 26. August bereits außerhalb des Flughafenareals gewesen und haben Familienmitglieder in den gesicherten Bereich des Airports gebracht. Im dritten Einsatz der Operation “Last Call” waren vier Schutzbefohlene – zwei junge Frauen, deren zwölfjährigen Bruder und die Mutter, alle Angehörige einer deutschen Großfamilie – die letzten überhaupt, die vor Tagesanbruch abgeholt werden konnten. Denn nur 24 Stunden später hat die Bundeswehr Afghanistan endgültig verlassen.

“Genau zehn Tage zuvor sind wir alarmiert worden”, erläuterte Oberstleutnant Tobias Richter. “30 Stunden später waren wir in Kabul.” Sein Team saß in der Nacht vom 16. auf den 17. August in einem Airbus A400M der Luftwaffe, der schließlich eine gefechtsmäßige Landung hinlegte, bei der etliche Reifen beschädigt wurden – bei miserablen Sichtverhältnissen, ohne Startbahnbefeuerung und bei unklarer Gefährdungslage. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach später vor der Presse von einem “echten Husarenstück”.

Allen Widrigkeiten zum Trotz konnte der Militärtransporter kurze Zeit später wieder Richtung usbekischer Hauptstadt Taschkent starten. Mit an Bord befanden sich die ersten sieben geretteten Zivilisten. In Kabul blieben Richters Kommandosoldaten und ein verstärkter Zug der Fallschirmjägerbrigade 31 aus dem niedersächsischen Seedorf unter dem Kommando eines jungen Oberleutnants zurück.

Als der Kommandeur des Evakuierungsverbandes, Brigadegeneral Jens Arlt, am Nachmittag des 17. August im zweiten Versuch in Kabul landete, “war unser Gefechtsstand einsatzbereit und der A400M konnte auf dem Rückflug gleich 120 Schutzbefohlene mitnehmen”, sagte OTL Richter.

Die Bundeswehr-Truppe begann – unterstützt von deutschen Botschaftsmitarbeitern und gemeinsam mit amerikanischen Soldaten – damit, die Registrierung von Schutzsuchenden am “North Gate” des Flughafens durchzuführen. Einigen Tage später waren deutsche Soldaten nicht nur am “North Gate”, sondern bedarfsweise auch am östlich gelegenen “Abbey Gate” und am “South Gate” im Einsatz.

Ab dem 20. August kam für die KSK-Soldaten eine riskante Form des Einsatzes hinzu. Erst stellten sie Kontakt zu Deutschen her, die aus eigener Kraft nicht zum Flughafen gelangen konnten. Oft handelte es sich dabei um Frauen, Jugendliche oder Kinder. “Zielgerichtete Evakuierung isolierter und besonders gefährdeter Personen”, nannte das OTL Richter.

Mehr als zehnmal rückten seine Männer in den nächsten Nächten aus, um irgendwo in Kabul oder in der näheren Umgebung des Flughafens Schutzberechtigte aufzunehmen und in Sicherheit zu bringen. “Oft zu Fuß und auch mit Hubschraubern”, berichtete der KSK-Stabsoffizier. Am Ende haben die KSK-Männer eine hohe zweistellige Zahl von deutschen Staatsbürgern gerettet. Über verschlungene Pfade brachten sie die Menschen zurück zum Flughafen – durch Nebentore oder Kanäle, manchmal auch durch die Kanalisation.

Am letzten Tag der Operation holte General Arlt die deutsche Flagge am Airport persönlich ein. Später überreichte er sie dem KSK, das es fortan zur Erinnerung an seinem Standort im baden-württembergischen Calw aufbewahrt.

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