U-Boot-Streit belastet NATO

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Das mit einer Leistung von 210 Megawatt (MW) nuklear angetriebene Jagd-U-Boot "USS Indiana" (SSN-786) der Baureihe Block III der modernen "Virginia"-Klasse. (Foto: BS/U.S. Navy/Leah Stiles)

Frankreich ist empört über die “Geheimverhandlungen”, die zum australischen U-Boot-Beschaffungsvorhaben mit den USA und Großbritannien im Wert von angeblich 56 Milliarden Euro geführt haben sollen. Deshalb hat das Pariser Außenministerium seinen Botschafter aus Washington/DC (erstmals seit der Neutralitätsproklamation von US-Präsident George Washington im Ersten Koalitionskrieg 1793) und dessen Amtskollegen aus Canberra zurückgerufen. Schätzungsweise acht bis neun Milliarden Euro hätten dabei allein dem französischen Industriekonzern Naval Group S.A. mit Sitz in Paris zugutekommen sollen. Australien hatte 2016 mit Frankreich vereinbart, zwölf U-Boote der “Suffren”-Klasse in ihrer dieselelektrischen Version zu beschaffen.

Außenminister Jean-Yves Le Drian sprach in diesem Zusammenhang in Paris von einer “schweren Krise” in den Beziehungen zu “unseren früheren (!) Partnern”. Bei der Ausrichtung der neuen trilateralen Sicherheitspartnerschaft AUKUS auf den Indo-Pazifik zur Eindämmung der Ambitionen der Volksrepublik China spiele Europa “keine Rolle mehr.” Dies bedrohe die Zukunft der NATO, so der Hausherr am Quai d’Orsay.

Besonders groß ist die Verärgerung in Paris auch deshalb, da Frankreich mit den taktischen, d.h. konventionell bewaffneten Jagd-U-Booten der “Suffren”-Klasse auch über eine mit einem 150 MW-Druckwasserreaktor vom Typ K15 atomar angetriebene Version verfügt. Außerdem besitzt Frankreich auch mit der strategischen, d.h. nuklear bewaffneten “Le Triomphant”-Klasse U-Boote mit dem gleichen atomaren Antrieb des Typs K15.

Zur Begründung der Vertragskündigung mit Frankreich wies der australische Verteidigungsminister Peter Dutton darauf hin, dass es Unstimmigkeiten zwischen den Parteien bezüglich des Antriebs gegeben habe. Zunächst soll die Regierung in Canberra daran gezweifelt haben, dass die französische Seite überhaupt dazu bereit sei, atomar angetriebene U-Boote zu verkaufen. Dann verwies Minister Dutton darauf, dass die Betriebsdauer der französischen K15-Reaktoren mit sieben bis zehn Jahren zu kurz sei; Amerikaner und Briten könnten hingegen den kompletten Lebenszyklus von 35 Jahren ohne atomares Nachfüllen abdecken.

Auch ThyssenKrupp hatte sich ursprünglich um das australische U-Boot-Geschäft bemüht. Schließlich sind die nicht atomar angetriebenen U-Boote der Klasse 212A laut Bundeswehr-Homepage “die modernsten der Welt.” Weiter ist dort von einem “Technologiesprung” u.a. beim Antrieb die Rede. Die Kombination aus Dieselgenerator, Brennstoffzelle, Akku-Anlage und Elektromotor mache “die U-Boote der Klasse 212A extrem leise.” Trotzdem hatte das deutsche Produkt 2016 das Nachsehen.

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