Kaum Frauen bei den Spezialkräften

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Bei der Bundespolizei gibt es bei der Frauenförderung – vor allem mit Blick auf die Spezialkräfte – noch deutlichen Verbesserungs- und Nachholbedarf. Hier braucht es offenbar neue Ansätze. (Foto: BS/Bundespolizei)

Polizeibeamtinnen sind in den Spezialeinheiten von Bundeskriminalamt (BKA) und Bundespolizei bislang deutlich unterrepräsentiert. So finden sich zum Beispiel keine Frauen in der BKA-Sicherungsgruppe oder in den BFE+-Einheiten. Und das, obwohl es spezielle Werbemaßnahmen für Frauen gibt, die sich möglicherweise für den Polizeiberuf interessieren.

Und auch bei der GSG 9 ist der Anteil weiblicher Kräfte mit insgesamt fünf Beamtinnen nur sehr gering. Er betrug Anfang August dieses Jahres gerade einmal 1,6 Prozent. Ebenso niedrig ist er im Bereich des Personenschutzes Ausland (PSA). Hier waren zuletzt gerade einmal zwei Frauen tätig, was einem Gesamtanteil von 1,5 Prozent entspricht. Beim Entschärfungsdienst waren es vier Polizistinnen (Gesamtanteil: 2,7 Prozent), wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Innenpolitischen Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Dr. Irene Mihalic, hervorgeht. Diese liegt dem Behörden Spiegel vor. Etwas höher ist der Frauenanteil demnach beim Flugdienst der Bundespolizei (42 Beamtinnen und ein Gesamtanteil von 5,9 Prozent) sowie in den Bereichen “Besondere Schutzaufgaben Luftverkehr” (neun Frauen, was einem Gesamtanteil von 7,2 Prozent entspricht) und “Einsatz- und Ermittlungsunterstützung” (31 Beamtinnen, was einem Gesamtanteil von 12,2 Prozent entspricht). Im höheren Polizeivollzugsdienst der Bundespolizei (Besoldungsgruppen A13h bis B4) arbeiten nur 51 Frauen. Dies entspricht einem Anteil von gerade einmal 13,2 Prozent. Deutlich höher ist die Frauenquote im höheren Dienst der Bundespolizei in den Bereichen Verwaltungsdienst (43,8 Prozent) und bei den Tarifbeschäftigten (39,4 Prozent).

Angesichts dieser Zahlen muss allerdings der Erfolg von Maßnahmen zur Gewinnung von Frauen für Führungsfunktionen kritisch hinterfragt werden. So gibt es laut Antwort auf den Social Media-Kanälen spezielle Aktionen zur Gewinnung von Frauen in Führungspositionen sowie IT-Expertinnen. Zudem sind Bundespolizei und BKA auf Berufsinformationsmessen sowie speziellen Berufsinformationsmessen für Frauen vertreten. Hier scheint es aber noch deutlichen Nachhochbedarf zu geben. Gleiches gilt offenbar für Aktionen wie “Girls Days”, die Einrichtung von Förderpools, die Bereitstellung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten sowie möglichst heimatnahen Verwendungen.

Klares Ungleichgewicht

Darüber hinaus bewerben sich deutlich weniger Frauen als Männer bei BKA und Bundespolizei. So gab es für den Bereich des Kriminalpolizeivollzugsdienstes beim BKA in diesem Jahr für den gehobenen Dienst bislang 2.708 Frauen. Dem stehen 2.953 Männer gegenüber. Für den höheren Dienst waren es 206 Bewerberinnen und 286 Bewerber. Noch deutlich ist die Diskrepanz beim Vollzugsdienst der Bundespolizei. Hier gab es in diesem Jahr bisher 147 männliche und nur 51 weibliche Bewerber für den höheren Dienst. Im gehobenen Dienst waren es 8.908 Bewerber und nur 4.284 Bewerberinnen. Für den mittleren Dienst bewarben sich 19.812 Männer und 7.382 Frauen, wie aus der Antwort auf die Anfrage weiter hervorgeht.

Keine großen geschlechterspezifischen Unterschiede zeigen sich jedoch beim Anteil der jeweils eingestellten Bewerberinnen und Bewerber beim BKA. So wurden im gehobenen Dienst fünf Prozent der interessierten Frauen tatsächlich eingestellt. Bei den Männern waren es 6,6 Prozent. Im höheren wurden anteilig sogar mehr Bewerberinnen als Bewerber eingestellt (4,9 Prozent der Frauen gegenüber 2,8 Prozent der Männer). Laut Bundesinnenministerium (BMI) lassen sich hier jedoch keine geschlechtsspezifischen Unterschiede für das Ausscheiden im Bewerbungsverfahren feststellen. Im Auswahlverfahren für den mittleren Vollzugsdienst bei der Bundespolizei “sind die Gründe für das Ausscheiden zwischen Bewerberinnen und Bewerbern im Sporttest und im Interview minimal unterschiedlich”, heißt es in der Antwort. Im Diktat würden die männlichen Bewerber im Schnitt schlechter abschneiden als die Frauen. Im Auswahlverfahren für den gehobenen Polizeivollzugsdienst ließen “sich ebenfalls keine signifikanten Unterschiede im Sporttest feststellen.” Deutliche Differenzen gebe es allerdings beim Intelligenzstrukturtest und beim Assessment-Center. Bei Ersterem sei die Durchfallquote der Bewerberinnen höher, bei Letzterem scheiterten mehr Männer.

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