Mehr als Technologie: Digitalisierung braucht Kultur

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Martin Kaloudis ist Chief Executive Officer (CEO) und Vorsitzender der Geschäftsführung der BWI GmbH, des IT-Systemhauses der Bundeswehr. (Foto: BS/BWI)

Wenn wir an die Digitalisierung von Staat und Verwaltung denken, haben wir Bilder im Kopf: von Verwaltungsbüros mit moderner IT bestückt, von dem Verschwinden der Aktenordner aus den Schränken. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Denn wer wirklich Digitalisierung will, kommt mit der bloßen Technologie nicht weit: Wir müssen auch Ja zu einer neuen Digitalkultur sagen.

Während wir im Deutschen einfach von Digitalisierung sprechen, kennt die englische Sprache eine Differenzierung, die die zwei Komponenten deutlich macht: Digitization meint die Digitalisierung von Daten, die Umwandlung von analogen Informationen oder Prozessen in digitale. Digitalization hingegen steht für die digitale Transformation: die Entwicklung eines Geschäftsmodells zu einem digital business mithilfe von digitalen Technologien. Tools und Technik sind bei der Digitalisierung also nur Vehikel, um einen grundlegenden Wandel zu befördern. Anders ausgedrückt: notwendig, aber noch nicht hinreichend.

Neue Kommunikations- und Kollaborationsplattform

Ein solches Vehikel ist auch Groupware Bw, eine neue Kommunikations- und Kollaborationsplattform für die Bundeswehr und das Bundesverteidigungsministerium (BMVg). Im Schulterschluss setzen das BMVg, das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und die BWI dieses Großprojekt um, bei dem mehr als 190.000 Anwender/-innen mit der neuen Lösung ausgestattet werden. Wenn alle Services vollständig ausgerollt sind, können sie damit zusammen und in Echtzeit an Dokumenten arbeiten, E-Mails austauschen, gemeinsame Termine planen, Webkonferenzen mit und ohne Video abhalten, chatten und telefonieren – auf einer einheitlichen technischen Plattform und über alle zivilen und militärischen Bereiche hinweg. Die Plattform steht für einen großen Gewinn an Effizienz und Effektivität durch kürzere Kommunikationswege und eine vereinfachte Zusammenarbeit. Sie hat das Potenzial, alle Arbeits- und Verwaltungsabläufe innerhalb der Bundeswehr neu und effizienter zu gestalten.

Die beste Technologie hilft nichts…

Die beste Technologie hilft aber nichts, wenn Nutzer/-innen sich ihrer nicht bedienen. Die Anwender/-innen zu schulen und gleichzeitig zur Nutzung zu motivieren, sind deshalb wichtige Bausteine des Veränderungsmanagements, das die BWI gemeinsam mit der Bundeswehr realisiert: Technologie ist die notwendige, Veränderungsmanagement die hinreichende Bedingung. Damit Digitalisierung funktionieren kann, braucht es nämlich auch das passende Mindset: eine innere Haltung, die es erlaubt, den Schritt von der Theorie hin zur gelebten Praxis zu machen, um das volle Potenzial der Digitalisierung auszuschöpfen. Wie groß dieses Potenzial ist, zeigt die aktuelle Entwicklung: Digitale Zusammenarbeit in Echtzeit und agile Arbeitsweisen, die eine immer schnellere Umsetzung von Ideen zulassen, verändern ganze Geschäftsmodelle. Warum wohl sind erfolgreiche Autobauer oder Raketenhersteller heute längst nicht mehr nur die klassischen Industrieunternehmen, sondern auch neue Player aus der Digitalszene?

In Unternehmen, Behörden, der Bundeswehr kommt niemand mehr um das Um- und Neudenken in der täglichen Arbeit herum.

Neben Expertise ist deshalb Offenheit für veränderte Prozesse gefragt, auch Neugier, Kreativität, ein Sich-Darauf-Einlassen. Für gewachsene, große Organisationen wie die Bundeswehr ist das ein aufwendiger Schritt. Deshalb wird eines besonders wichtig: Vorleben. Führungspersonen haben die Aufgabe, Vorbilder bei der Nutzung digitaler Technologien zu sein, das Verständnis von Digitalisierung weiterzutragen und Partizipation zu ermöglichen. Die ausgeprägte Führungskultur der Bundeswehr kann dabei hilfreich sein.

Technologie, Know-how und Mindset müssen gleichziehen

Für eine erfolgreiche Digitalisierung müssen Technologie, Know-how und Mindset also gleichziehen – und zwar immer wieder aufs Neue. Technik, Innovationen, Methodiken und Arbeitsweisen: Alles entwickelt sich stetig weiter. Eine gute Digitalkultur geht diesen Weg kontinuierlich mit. Sie fördert Partizipation, nimmt Ängste und stellt die Chancen der Digitalisierung klar in den Vordergrund. Erst damit ermöglicht sie allen, von den Vorteilen der Digitalisierung bestmöglich zu profitieren.

Der Autor des Gastbeitrags ist Martin Kaloudis, er ist Chief Executive Officer (CEO) und Vorsitzender der Geschäftsführungder BWI GmbH, des IT-Systemhauses der Bundeswehr.

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