Thesen zur Digitalisierung Landstreitkräfte

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(Foto: Bundeswehr)

In seiner Eröffnungsrede des NATO-Symposiums “AI, ML and BD for Hybrid Military Operations”, erläuterte der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, anhand von fünf Thesen, was er von der Digitalisierung für die Streitkräfte erwartet.

Als ersten und wichtigsten Punkt nannte der Inspekteur die Cloud Technologien. Die Landstreitkräfte benötigten einen Shared Information Space, der durch eine funktionierende Multi-Cloud ermöglicht werde. Unter einer Multi-Cloud verstehe er eine umfassende Informationsumgebung, um besonders auch in internationalen Einsätzen alle relevanten Informationen zu teilen. Sie stelle die Verbindung zwischen der strategischen Ebene in der Heimat und der ersten Meile im Einsatzgebiet dar. Daneben müsse sie auch die verschiedenen Systeme von Luft, Land, See und Cyberraum miteinander verbinden, um Multi-Domain Operations zu unterstützen.

Die Wirksamkeit auf der ersten Meile sei entscheidend, nannte Generalleutnant Mais als zweite These. Hier träfen die neuesten Technologien aufeinander, von Drohnenschwärmen zur Aufklärung bis hin zur auf Künstlicher Intelligenz basierenden Abwehrmaßnahme. Aufklärung und die Analyse der gelieferten Ergebnisse würden im Zusammenspiel mit Battle Management Systemen die Gefechtsfelder der Zukunft bestimmen, prognostizierte Generalleutnant Mais. Durch den geteilten Informationsraum könnten alle Befehlsebenen zur selben Zeit dieselben Gefechtsbilder erhalten.

“Wir müssen kleiner, leistungsfähiger und vollständig mobil werden”, nannte der Inspekteur eine Anforderungen an das Heer, um in modernen Konflikten bestehen zu können. Eine besondere Bedeutung käme neuen, hochmobilen Gefechtsständen zu, welche nicht länger stationär zu denken seien. “Geschwindigkeit und Mobilität gewährleisten den Schutz der Forward Command Posts”, sagte Generalleutnant Mais. Daneben solle es weitere Main Command Posts geben, welche außerhalb der gegnerischen Reichweite stationär eingerichtet würden.

Künstliche Intelligenz und menschliche Fähigkeiten seien als Ergänzungen zu verstehen, die beide dauerhaft notwendig seien, nannte Generalleutnant Mais als vierte These. “Ich bin davon überzeugt, dass auch künftige Konflikte Hierarchien und Befehlsketten brauchen.” Die Fähigkeiten der Künstlichen Intelligenz lägen in der Verarbeitung großer Datenmengen sowie einer schnellen Analyse, in beiden Punkten übertreffe sie den Menschen. Dies gelte es zu nutzen, in Verbindung mit dem menschlichen Willen zur humanen Verteidigung sowie der menschlichen Fähigkeit zur übergeordneten Analyse.

“Die Nachrichtengewinnung aus Open Source Quellen könnte zum Gamechanger werden”, stellte Generalleutnant Mais als fünfte These auf. Besonders bei hybriden Operationen sei er davon überzeugt, dass irgendwer irgendwo die Kamera seines Handys auf den Punkt hält, der von relevanter Bedeutung für den Einsatz sei.

Hohe Geschwindigkeit und Präzision seien die entscheidenden Elemente zukünftiger Gefechte, fasste der Inspekteur Heer zusammen. Da Digitalisierung, mit allen genannten Elementen, sowie Künstliche Intelligenz beides deutlich verbessern, seien ihre Implementierungen in die Landstreitkräfte unbedingt notwendig, um der Politik auch in Zukunft das Heer als operationelle Option zur Verfügung zu stellen. Die entscheidende Frage der Zukunft sei allerdings: “Können wir unseren Systemen vertrauen?”

1 Kommentar

  1. Toller Beitrag, der mit der Kernfrage endet, mit der ich auch bei der InnovationChallenge des Cyber Innovation Hub in Zusammenarbeit mit den founders@unibw angetreten bin: Können wir einem solchen System überhaupt vertrauen?
    Die Antwort war und ist ganz klar: JA, allerdings unter einer Bedingung: DIe konsequente Anwendung, Förderung und Weiterentwicklung offener Standards. Auf Basis dieser Grundlage lassen sich auch die anderen Thesen sehr leicht und umfänglich umsetzen, bei gleichzeitigem Empowerment und unter der Gewährleistung von Sicherheit, Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit.

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