Erstes deutsch-britisches Bataillon aufgestellt

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Nach dem Appell in Minden marschierten die Soldaten des neuen bi-nationalen Bataillons geschlossen über die Brücke, die aus deutschen und britischen "Amphibien M3" bestand, und erreichten so trockenen Fußes das andere Ufer der Weser. (Foto: BS/Bundeswehr/Mario Kissel)

Deutsche und britische Soldaten verschiedener Verbände waren Anfang Oktober im nordrhein-westfälischen Minden zu einem Umgliederungsappell angetreten, wie es ihn so in der Bundeswehr noch nie gegeben hat: Es ist der Gründungstag des Deutsch-Britischen Pionierbrückenbataillons 130 gewesen. In Paradeaufstellung standen auf dem Wasserübungsplatz der Mindener Pioniere neben den britischen Soldaten der “23rd Amphibious Engineer Squadron” die Kompanien des Panzerpionierbataillons 130, die 3., 4., und 5. Kompanie des schweren Pionierbataillons 901, der Ehrenzug mit der Truppenfahne des Panzerpionierbataillons 130, das Heeresmusikkorps aus Hannover, das Mindener Bürgerbataillon und eine britische “Marching Band”.

Bereits seit 2014 üben die britischen Schwimmbrückenpioniere in Minden und seit 2018 wurde der Gründungstag vorbereitet. Damals unterzeichnete Bundesverteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen das “Joint Vision Statement”, das den Grundstein für das neue Deutsch-Britische Pionierbrückenbataillon 130 legte.

Die “23rd Amphibious Engineer Squadron” aus Hameln bildet nun zusammen mit dem Panzerpionierbataillon 130 aus Minden und Teilen des schweren Pionierbataillons 901 aus dem sachsen-anhaltinischen Havelberg das neue bi-nationale Bataillon. Der Kommandeur der Panzerlehrbrigade 9, Brigadegeneral Christian Freuding, leitete den Appell, dem der Generalstabschef der britischen Landstreitkräfte, General Sir Mark Carleton-Smith CBE, der Inspekteur des Deutschen Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, und rund 200 weitere Gäste beiwohnten. “Ich wünsche Ihnen für die Zukunft viel Erfolg”, so General Carleton-Smith auf Deutsch, “bei einer nach wie vor gemeinsamen deutsch-britischen Erfolgsgeschichte, die wir auch in Zukunft weiterentwickeln müssen.”

Während des Appells wurden die Gemeinsamkeiten auch durch die “Amphibie M3” herausgestellt. Zuerst marschierten die deutschen Soldaten über eine Brücke aus deutschen “Amphibien” und die britischen Soldaten über eine britische Amphibienbrücke auf den Appellplatz. Nach der Umgliederung marschierte das neue deutsch-britische Bataillon geschlossen über eine Brücke aus drei britischen und drei deutschen “Amphibien”.

Innerhalb der NATO verfügen nur Deutschland und Großbritannien über die Schwimmschnellbrücke “Amphibie M3”. Bis 1999 waren 30 Exemplare dieser Schnellbrücke von den damaligen Eisenwerken Kaiserslautern (EWK, heute General Dynamics European Land Systems-Germany) an das Deutsche Heer ausgeliefert worden. Großbritannien erhielt 38 Exemplare vom deutschen Hersteller. Ein gemeinsamer Verband ist daher sinnvoll, da somit die Planung, Ausbildung und Übung zentral gesteuert werden können.

Die einzelne “Amphibie M3” mit einem Gewicht von 26 Tonnen erreicht auf der Straße eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h und auf dem Wasser von 10 km/h. Eine 100 Meter lange Schwimmbrücke kann mit acht M3 in weniger als 20 Minuten gebaut werden.

Die Pioniertruppe gehört zu den Kampfunterstützern im Deutschen Heer. Sie hat aktuell eine Personalstärke von rund 6.200 aktiven Soldaten. Die Pioniere unterstützen die eigene Truppe bei Einsätzen im In- und Ausland mit bauhandwerklich und technisch ausgebildeten Soldaten sowie durch den Einsatz spezieller Fahrzeuge, Maschinen, Geräte und Werkzeuge. An der Spitze der Truppengattung steht der General der Pioniertruppe. Er ist zugleich Kommandeur der Pionierschule und der Fachschule des Heeres für Bautechnik, der zentralen Ausbildungseinrichtung aller Pioniere der Bundeswehr, im oberbayerischen Ingolstadt.

Seit dem Austritt des Vereinigten Königreichs (Brexit) aus der Europäischen Union (EU) am 31. Januar 2020 kommt jeder Form bi- und multilateraler Militärkooperation zwischen den britischen und EU-europäischen Streitkräften eine besondere Bedeutung bei. Denn: “Unter dem Leitmotiv ‘Global Britain'”, so die Politikwissenschaftler Dr. Claudia Major und Dr. Nicolai von Ondarza in einer SWP-Publikation, “versucht die britische Regierung, den Brexit als einzigartige Möglichkeit darzustellen, die eigene Außen- und Sicherheitspolitik neu zu konzipieren, und zwar globaler, einflussreicher und schlagkräftiger. Kernelemente sind eine weltweite Vernetzung und bilateral verhandelte Abkommen, die den Verlust der europäischen Einbettung kompensieren sollen.”

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