Kommunen warnen vor Haushaltskrise

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Andauernde Finanzierungsdefizite haben direkte Auswirkungen auf die kommunalen Investitionen, warnen die Kommunalverbände. Ihren Berechnungen zufolge verursache die Finanzierungslücke einen Rückgang der jährlichen Investitionen um mehr als fünf Milliarden Euro im Jahr 2020. (Foto: Gerd Altmann, pixabay.com)

Die Städte, Landkreise und Gemeinden warnen vor einer drohenden kommunalen Haushaltskrise. Sie rechnen mit sinkenden kommunalen Investitionen und steigenden Defiziten. Die kommunalen Spitzenverbände erwarten bereits in diesem Jahr ein Defizit von sieben Milliarden Euro, sowie einen Rückgang der jährlichen Investitionen um mehr als fünf Milliarden Euro bis zum Jahr 2024.

Der Steuereinbruch des vergangenen Jahres habe das Niveau der kommunalen Steuereinnahmen um rund neun Milliarden Euro reduziert. Den kommunalen Spitzenverbänden zufolge, werde sich diese Entwicklung in den Folgejahren in gleicher Größenordnung fortsetzen. Zwar haben Länder Maßnahmen ergriffen, um den jeweiligen kommunalen Finanzausgleich zu stabilisieren. Um die Steuereinnahmen der Städte und Gemeinden und die Grundlagen für die Kreisumlage zu stützen, wäre aber eine weitere Stärkung der Einnahmen durch Bund und Länder geboten.

“Wir sind dankbar, dass Bund und Länder im vergangenen Jahr große Anstrengungen unternommen haben, den Kommunen zum Höhepunkt der Corona-Pandemie zu helfen. Die wirtschaftlichen Folgen von Corona dauern in den Kommunalhaushalten allerdings an. Daher benötigen wir auch in diesem und den kommenden Jahren Stabilisierungshilfen. Wir erwarten, dass die Sicherung der kommunalen Handlungsfähigkeit auch in den Koalitionsverhandlungen eine wichtige Rolle spielen wird. Sonst sind kommunale Defizite und einbrechende kommunale Investitionen unvermeidbar”, erklärten die Präsidenten der kommunalen Spitzenverbände Oberbürgermeister Burkhard Jung (Deutscher Städtetag), Landrat Reinhard Sager (Deutscher Landkreistag) und Bürgermeister Ralph Spiegler (Deutscher Städte- und Gemeindebund).

Angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie seien die kommunalen Haushalte in diesem und folgenden Jahren vor allem durch den Steuereinbruch von massiven Einnahmeverlusten betroffen, während die Ausgaben weiterhin steigen. Nach einem leichten Überschuss im Jahr 2020 würden tiefrote Zahlen folgen. Der Finanzierungssaldo werde 2021 im Vergleich zum Vorjahr um etwa zehn Milliarden Euro abstürzen. Derzeit sei davon auszugehen, dass die Zuweisungen auch unter Einschluss der Stützungsmaßnahmen der Länder in den kommenden Jahren weiter nur marginal zunehmen werden. Daher seien auch für die Folgejahre weiterhin kommunale Finanzierungsdefizite von sechs bis sieben Milliarden Euro zu befürchten.

Weniger Investitionen

Die Steigerungen bei den Sozialausgaben und Personalausgaben der Kommunen müssten weitgehend durch Rückgänge bei den Investitionen kompensiert werden. Nach derzeitigem Stand verursache die zu erwartende Finanzierungslücke einen Rückgang der jährlichen Investitionen von 34,8 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf nur noch 29,3 Milliarden Euro im Jahr 2024 – also einen Rückgang um mehr als fünf Milliarden Euro.

Die Präsidenten der kommunalen Spitzenverbände machten deutlich: “Andauernde Finanzierungsdefizite wirken direkt auf die kommunalen Investitionen: Wenn die Kassen leer sind, können auch keine Investitionen geplant werden. Zusätzliche Belastungen wie beispielweise der beschlossene Ausbau der Ganztagsbetreuung in Grundschulen sind ohnehin nach derzeitiger Lage finanziell nicht zu stemmen. Für die Kommunen bedeutet dieser von Bund und Ländern beschlossene Rechtsanspruch eine dauerhafte Mehrbelastung. Denn bei den Investitionskosten gibt es aktuell eine Lücke von insgesamt vier Milliarden Euro und bei den jährlichen Betriebskosten von mehr als drei Milliarden Euro. Solche Milliardenbeträge können die Kommunen nicht aufbringen. Hier stehen die Länder ganz klar in der Pflicht, die finanziellen Mehrbelastungen aus dieser Aufgabe zu übernehmen.”

Weitere Informationen

  • Kommunalhaushalte im Defizit – die Corona-Pandemie hinterlässt tiefe Spuren (pdf 165 KB)
    Fachpapier der kommunalen Spitzenverbände
  • Kommunalfinanzen 2019 bis 2024 in den west- und ostdeutschen Flächenländern (pdf 9 KB)
    Prognose der kommunalen Spitzenverbände

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