THW fliegt künftig ab Köln/Bonn

0
414
: Flughafenchef Johann Vanneste (Mitte/links) und THW-Präsident Gerd Friedsam (Mitte/rechts) unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung. Damit nutzt das THW den Flughafen Köln/Bonn künftig als Hauptluftdrehkreuz. (Foto: BS/Flughafen Köln/Bonn GmbH)

Im Ernstfall muss es schnell gehen. Werden die Helferinnen und Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) zu einem Auslandseinsatz alarmiert, bleiben ihnen sechs bis maximal zwölf Stunden, um abflugbereit zu sein. Die Rettungskräfte und die komplette benötigte Ausrüstung müssen dann im Flieger sein. Als Luftdrehkreuz soll künftig der Flughafen Köln/Bonn dienen. THW und die Flughafen-GmbH haben eine entsprechende Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Dadurch sollen die Abläufe schneller und reibungsloser werden.

“Die Kooperationsvereinbarung hilft uns, auch zukünftig weltweit unsere Aktivitäten zu entfalten”, erklärte THW-Präsident Gerd Friedsam bei der Vertragsunterzeichnung. Wichtig sei es nun, Abläufe mit dem Flughafen immer wieder zu besprechen und zu üben, damit alles im Ernstfall reibungslos funktioniere. Dies betreffe zum Beispiel die Sicherheitskontrollen, aber auch die Behandlung von Frachtgütern, die das THW im Ausland benötige. Hierunter sei immer wieder auch Gefahrgut. Flughafenchef Johann Vanneste beschreibt, wie der Flughafen das THW bei den Einsätzen konkret unterstützen wird. “Wir sorgen dafür, dass alles so schnell wie möglich geht: Das heißt, dass die Sicherheitskontrollen so schnell wie möglich durchgeführt werden. Das bedeutet aber unter anderem auch, dass wir dem THW durch unsere Kontakte in die Luftfahrtbranche dabei helfen, ein passendes Charterflugzeug zu finden.”

Schnelligkeit entscheidend

Schnell muss es im Ernstfall aus mehreren Gründen gehen. Erstens gibt im Katastrophenfall, zum Beispiel nach einem Erdbeben, nur ein begrenztes Zeitfenster, um Menschenleben zu retten. “Nach 72 Stunden sinken die Chancen, noch Überlebende zu finden, rapide”, sagt THW-Präsident Friedsam. Doch auch für die Einsatzkräfte und ihre Ausrüstung ist es in vielen Fällen angenehm, wenn die Anreise zum Einsatz möglichst rasch vonstattengeht.

Ein Beispiel hierfür ist Belana. Die Hündin unterstützt die Helferinnen und Helfer im Einsatz bei der Suche nach Vermissten und Verschütteten. Ihr Hundeführer ist das langjährige THW-Mitglied Stephan Mondry, der zuletzt 2020 nach der verheerenden Explosion im Beiruter Hafen im Ausland im Einsatz war. “Für den Hund ist jede Reise eine Stresssituation”, so Mondry. Obwohl die Transportbox eine gewisse Größe habe, bedeute sie für das Tier natürlich Enge. Deswegen sei es wichtig, schnell am Flughafen und im Flugzeug zu sein. Wenn die Hunde Glück haben, dürfen sie in der Maschine dann in den Passagierbereich. Dies hänge laut Mondry meist von der Pilotin oder dem Piloten ab.

Räumliche Nähe zum neuen Logistikzentrum

Der Flughafen Köln/Bonn wird nun zum Hauptluftdrehkreuz des THW. Ein Grund für die Entscheidung für den ehemaligen Hauptstadtflughafen ist die räumliche Nähe zum brandneuen THW-Logistikzentrum in Hilden. Aus Mainz zieht nun auch das Zentrallager für Auslandslogistik zum 10.000-Quadratmeter-Standort. Die Strecke von Hilden zum Flughafen ist bei günstiger Verkehrslage in weit unter einer Stunde zu schaffen. Im Lager wird die nötige Ausrüstung zusammengestellt und von dort aus zollfertig verpackt zum Airport transportiert.

Doch Präsident Friedsam nennt noch einen anderen Grund für den Flughafen Köln/Bonn. Bisher habe man eine Kooperationsvereinbarung mit dem Flughafen Frankfurt/Main. Von dort aus werde auch weiterhin Personal in Einsätze geschickt. Für logistische Zwecke sei bisher unter anderem der Flughafen Frankfurt/Hahn genutzt worden. “Durch den Eigentümerwechsel, bei dem der Flughafen an eine chinesische Firma ging, sind die Bedingungen dort für uns deutlich schwieriger geworden”, erläutert Friedsam. Auch deswegen habe man sich für Köln/Bonn entschieden, ein 24-Stunden-Logistikdrehkreuz ohne Nachtflugverbot.

Finanzielle Interessen hat der Flughafen Köln/Bonn laut Flughafenchef Vanneste übrigens im Zusammenhang mit der Kooperationsvereinbarung nicht. Dem THW entstünden keine Kosten, teilweise erlasse der Flughafen den benötigten Flugzeugen sogar die entsprechenden Nutzungsgebühren. “Wir wollen die ehrenamtliche Arbeit des THW unterstützen”, so Vanneste. Die Kooperationsvereinbarung zwischen Flughafen und Hilfswerk gilt unbefristet.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here