Deutsche Kampfschwimmer bilden nigrische Spezialkräfte aus

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Die deutschen Kampfschwimmer müssen auf alles vorbereitet sein und trainieren regelmäßig selbst, wie hier das Ausweichen nach feindlichem Beschuss. Foto: BS/Bundeswehr/KSMDie deutschen Kampfschwimmer müssen auf alles vorbereitet sein und trainieren regelmäßig selbst, wie hier das Ausweichen nach feindlichem Beschuss. (Foto: BS/Bundeswehr/KSM)

Soldaten des Kommandos Spezialkräfte der Marine (KSM) der Bundeswehr befinden sich seit 2018 in der westafrikanischen Republik Niger, um dort örtliche Spezialkräfte auszubilden. Niger ist mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von einem US-Dollar am Tag eines der ärmsten Länder der Welt. Seit August dieses Jahres ist die bisher bilaterale deutsch-nigrische Mission ein mandatierter Einsatz der Spezialkräfte und fester Bestandteil der EU-Ausbildungsmission EUTM (“European Union Training Mission”) Mali.

“Die Marinemission “Gazelle”, so ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr (EinsFüKdoBw) in Potsdam gegenüber dem Behörden Spiegel, “folgt dabei zwei Umsetzungslinien: erstens dem Aufbau, der Ausbildung und der Ausstattung eines nigrischen Spezialkräfte-Partnerverbandes, zweitens einer lokalen Verstetigung dieser Ausbildungslinie durch Aufbau und Unterstützung einer zentralen nigrischen Spezialkräfteausbildungseinrichtung.”

“Bisher”, so der Sprecher weiter, “wurde die Ausbildung im Landesinneren von Niger durchgeführt. Im Rahmen des weiteren Fähigkeitsaufbaus soll die geplante Verlegung der Kräfte “Gazelle” an den grenznahen Stationierungsort des nigrischen Partnerverbandes vollzogen werden. Eine Einbeziehung der angepassten Marinemission “Gazelle” in das Bundestagsmandat im Rahmen der Krisenprävention reflektiert die sich insbesondere in den Grenzregionen verändernde Sicherheitslage in Niger, insbesondere am geplanten Stationierungsort Tillia, sowie die Weiterentwicklung der Ausbildungs- und Beratungstätigkeit in einem stärker der Gefahr terroristischer Angriffe ausgesetzten Einsatzraum näher an der Grenze zu Mali. Mit der angestrebten Integration in EUTM Mali kann Deutschland direkt zur Zielerreichung von EUTM Mali im erweiterten Mandatsgebiet beitragen. Dies würde zur Konsolidierung des militärischen Engagements im Sahel-Raum beitragen. Zugleich sendet Deutschland mit diesem Beitrag zu EUTM Mali ein starkes politisches Signal.”

Der geplante Ausbildungsort Tillia befindet sich im südwestlichen Teil des Sahel-Landes, der zur Region Liptako-Gourma gehört. Neben dem Südwesten Nigers zählen auch Teile von Burkina Faso und Mali dazu. Das Zentrum dschihadistischer Aktivitäten in der Sahelzone befindet sich genau in diesem Dreiländereck.

Am Stationierungsort der deutschen Ausbilder im Niger herrsche, so das EinsFüKdoBw, “eine latente Bedrohung durch terroristische Gruppierungen. Die Absicherung und der Schutz der deutschen Kräfte werden durch nigrische Streitkräfte sichergestellt. Zusätzlich sind eigene Schutzmaßnahmen vor Ort etabliert, um die Gefährdung deutscher Kräfte zu minimieren.”

Wegen der zunehmend besorgniserregenden Entwicklungen im Dreiländereck haben die Regierungen von Burkina Faso, Mali und Niger 2017 verabredet, eine gemeinsame Eingreiftruppe aufzustellen. Deren Hauptquartier mit rotierendem Oberbefehl befindet sich in der nigrischen Hauptstadt Niamey. Diese “Task Force” ist gebildet worden als untergeordnete Einheit der multinationalen G5-Sahel-Streitkraft. Die Gruppe der fünf Sahel-Staaten umfasst neben den oben genannten drei Staaten der Liptako-Gourma-Region noch Mauretanien und den Tschad.

Deutsche Spezialkräfte

Seit April 2014 bilden die Kampfschwimmer das Kommando Spezialkräfte der Marine, d.h. das KSM ist die maritime Komponente der Spezialkräfte der Bundeswehr. Darin finden sich u.a. ausgebildete Taucher, Fallschirmspringer, Speedboot-Fahrer, Sprengstoffexperten und Einzelkämpfer.

Normalerweise stellt das KSM mit den Kampfschwimmern, einschließlich ihrer Unterstützungs- und Führungsteams, Experten für besondere militärische Aufgaben im maritimen Umfeld bereit. Ihre Einsatzgebiete sind also vor allem die offene See, Küstengebiete, Flussmündungen und Binnengewässer. Dass dies nicht immer der Fall sein muss, zeigt das Beispiel Niger.

“Die Befähigung einheimischer Sicherheitskräfte”, so der Sprecher des Einsatzführungskommandos, “ist Bestandteil des Aufgabenprofils von Spezialkräften und somit – zumindest theoretisch – unabhängig von der jeweiligen Teilstreitkraft. In den zurückliegenden Konflikten, in denen Truppen der NATO-Staaten eingesetzt wurden, gewann die Aufgabe der Befähigung einheimischer Sicherheitskräfte zusehends an Relevanz. Aus historischer Sicht spielt die Befähigung einheimischer Sicherheitskräfte für Spezialkräfte sogar grundsätzlich eine große Rolle. Insofern können die Kräfte KSM und KSK (Kommando Spezialkräfte des Heeres) gleichermaßen für die Befähigung einheimischer Sicherheitskräfte herangezogen werden.” So sei es möglich, “auch Kräfte des Kommando Spezialkräfte der Marine (KSM) in Binnenländern einzusetzen.”

Ein Jahr zuvor waren die Kampfretter als Spezialeinheit der Luftwaffe aufgestellt worden, deren Auftrag die Rettung und Rückführung von eignen Kräften ist.

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