Österreich geht voran

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Die österreichische Digitalisierungsministerin Dr. Margarete Schramböck (dritte von rechts) im Gespräch mit D21 Geschäftsführerin Lena Sophie-Müller (dritte von links), Dr. Markus Richter, CIO des Bundes im BMI (rechts), Moderator Nils Hoffmann (links), Faruk Tuncer, Geschäftsführer von Polyteia (zweiter v.r.) und Dinah Schmechel, Gründerin und CEO von Themis (zweite v.l.) über die Zusammenarbeit der GovTech Szene mit der öffentlichen Verwaltung. (Foto: BS)

In der digitalen Verwaltung ist unser Nachbarland uns überlegen. In der Zufriedenheit und Nutzungsintensität beim E-Government schneidet Österreich insgesamt besser als Deutschland ab. Allerdings stagnieren oder sinken die Zahlen in der gesamten DACH Region. Österreichs Digitalisierungsministerin Dr. Margarete Schramböck warnt vor der kommenden Pensionierungswelle im Öffentlichen Dienst und verlangt, die digitalen Verwaltungsprozesse weiter zu intensivieren.

Digitale Verwaltung macht das Leben leichter. Darin waren sich alle Diskussionsteilnehmer/innen beim GovTalk Spezial der Initiative D21 zur Vorstellung des neuen D-A-CH Ländervergleichs des eGovernment MONITORs 2021 einig. “Wo wären wir mit Corona ohne Digitalisierung? Wir hätten kein Zugang zu Bildung, Arbeit oder Verwaltung gehabt”, resümiert die österreichische Bundesministerin die Entwicklung seit Beginn der Pandemie. Österreich ist dabei im Digitalisierungsprozess in der öffentlichen Verwaltung etwas besser aufgestellt. Die neuen Projekte wie das Once Only-Prinzip und eine Metaplattform, welche die verschiedenen Daten der Bürger/innen bündelt sind in Österreich auf einem gutem Weg. Schambröck ist allerdings skeptisch, was die Kleinteiligkeit der Dienstleistungsangebote angeht: “Die Verwaltung muss aufpassen, dass das Rad nicht von jeder Kommune neu erfunden wird. Wir müssen den Weg zur Konsolidierung finden.”

Hilfe von außen

Um die Verwaltungsprozesse besser digital einbinden zu können, brauchen Bund, Länder und Kommunen externe Hilfe. Eine Möglichkeit dafür sind Start Ups. Dinah Schmechel ist Gründerin und CEO von Themis. Das Unternehmen beschäftigt sich mit dem Thema Wissenvermittlung. Sie bemängelt die Schwierigkeit der Auftragslage: “Verwaltungsdigitalisierung ist ein schwieriges Investmentfeld. Die GovTech Szene muss mehr in die Wirtschaftsförderung integriert werden.” Ähnlich argumentiert Faruk Tuncer Geschäftsführer von Polyteia. Sein Start Up unterstützt die Verwaltung dabei, Daten zu bündeln und zu koordinieren. Er sieht das Problem auch in der zersplitterten Systemlandschaft: “Es gibt zu viele Softwaresilos und eine enorme Anzahl an Fachverfahren, da ist es schwer den Überblick zu behalten.” Er betrachte vor allem das Projektmanagement in der Verwaltung als größte und spannendste Baustelle. 

Zufriedenheit der Bürger/innen sinkt

Der GovTech Campus ist maßgeblich durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) gegründet worden. Weitere Gründungsmitglieder sind das Land Hessen, die Hansestadt Hamburg, PUBLIC Deutschland, die Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND, die Merantix AG, die Fraunhofer FOKUS sowie die Eclipse Foundation. Ziel des Projektes ist unter anderem die Förderung der Zusammenarbeit der Start Up Bubble mit der Verwaltungs-Bubble. Die Initiative D21 erhielt im vornherein die Möglichkeit, die Räumlichkeiten zu inspizieren. Die Geschäftsführerin der Initiative Lena-Sophie Müller begründet die Notwendigkeit der Kooperation vor allem mit den schlechten Zustimmungswerten beim E-Government: “Lediglich 57 Prozent der Bürger/innen in Deutschland sind zufrieden mit der digitalen Verwaltung. Das sind 15 Prozent weniger als im Vorjahr.”, sagt Müller. Als Paradebeispiel nennt die Geschäftsführerin service.bund.de, das Webportal der deutschen Bundesverwaltung. Nach der veröffentlichten Studie wissen lediglich 33 Prozent von der Existenz des Webportals und nur acht Prozent der Befragten haben es jemals genutzt.

Dr. Markus Richter, CIO des Bundes im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) erhofft sich durch den GovTech Campus eine Erhöhung der Sichtbarkeit für neue Arbeitsweisen: “Wir sitzen in Deutschland auf einem enormen Potential für das E-Government. Wir müssen nur einfach schneller Lösungen bereitstellen.” Im GovTalk Spezial berichtete Richter von einem geplanten Co-Working Space der Ministerien auf Bundesebene. Diese würden eine “kulturelle Revolution” darstellen. Auf welchem Entwicklungsstand sich das Projekt befinde, konnte der CIO des Bundes noch nicht sagen.

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