Aufbereitung des deutschen Afghanistan-Materials

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Eine Fachlageristin hat alle beweglichen Teile aus dem Innern des geländegängigen "Wolfs" (Lkw gl leicht) geräumt und vor sich aufgereiht: einen Verkehrssicherungssatz, Unterlegkeile, die Abdeckung der Grundplatte, eine Bodenhindernisleuchte, Werkzeuge und Funkempfänger, die sie in einer Inventarliste vermerkt. Mehr als fünf Jahre war dieser Mercedes-Geländewagen im Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan. (Foto: BS/Bundeswehr/Sabrina Kleinekort)

Mit dem dramatischen Ende der Mission “Resolute Support” am Hindukusch ist inzwischen auch das umfangreiche Bundeswehr-Material wieder in Deutschland eingetroffen. Dazu zählt auch das schwere Gerät, d.h. Fahrzeuge und Hubschrauber.

Im Bundeswehr-Materiallager Zeithain im Nordwesten des Landkreises Meißen im Freistaat Sachsen wurde die Ausrüstung aus Afghanistan unter anderem registriert und für die Weiterverwendung aufbereitet. Insgesamt kamen rund 750 sogenannte “Container-Äquivalente” in die Bundesrepublik, darunter rund 120 Kraftfahrzeuge und sechs Helikopter. Mit Container-Äquivalent wird die Maßeinheit bezeichnet, die den Umfang der Rückverlegung des Materials aus Afghanistan beziffert. Ein Container-Äquivalent ist vergleichbar mit einem Sechs-Meter-Container und fasst entweder ein Fahrzeug oder 100 Teile Material.

Zeithain ist eines der größten Materiallager der Bundeswehr. Von dem rund 87 Hektar großen Gelände erhalten Truppenteile und Dienststellen Wehrmaterial für Grundbetrieb und Einsatz. Deshalb gehören Werkstätten, Lagerhallen und Waschstraßen zum Standort. Mehr als 60 militärische Fahrzeuge sowie weitere 60 Fahrzeuge der BundeswehrFuhrparkService GmbH (BwFPS) wurden während der Rückführung in Zeithain angenommen, geprüft und weiterverschickt.

Der Großteil des Materials ist über den Flughafen Leipzig-Halle als Logistikdrehkreuz per Großraumflugzeug wie der Antonov An-124-100 zurückgekehrt. Bereits seit März 2006 sind zwei Antonow im Rahmen des SALIS-Projektes (“Strategic Airlift International Solution”) permanent in Leipzig/Halle stationiert. Tieflader des Logistikbataillons 171 “Sachsen-Anhalt” aus Burg bei Magdeburg und zivile Speditionen haben dann die Fahrzeuge, Container und Paletten nach Zeithain oder in andere Lager gebracht.

“Unser Materiallager”, erklärte Oberleutnant Tobias Müller, “funktioniert wie eine Drehscheibe. Hier treffen Fahrzeuge und Material ein, werden geprüft und anschließend entweder repariert, weitergeschickt oder eingelagert.” Der Offizier hat in der Kaserne in Zeithain das sogenannte “Redeployment”, die Rückführung des Materials und der Fahrzeuge, federführend koordiniert.

Für die Ausrüstungsgegenstände begann die Rückführung schon vor Ort in den Logistikzellen und Materialschleusen der Camps im afghanischen Einsatzgebiet: Dort hatten die Soldatinnen und Soldaten während ihres Einsatzes in den letzten Monaten vor Ende der Mission alles versandfertig und transportfähig gemacht.

Was genau damit nach dem Rücktransport geschieht, wurde im Koblenzer Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) entschieden. Teil der Rückführung war deshalb auch eine Priorisierungsliste: Für die Bearbeitung der ankommenden Geräte in Zeithain legte das Logistikzentrum der Bundeswehr (LogZBw) in Wilhelmshaven fest, wer zuerst drankommt: Großgeräte und Fahrzeuge vom Transportpanzer “Fuchs” über das Geschützte Führungs- und Funktionsfahrzeug (GFF) “Eagle” bis hin zu einem 20 Tonnen schweren Fahrzeugkran FKL wurden bevorzugt abgefertigt.

Wenn die in Zeithain eingetroffenen Materialien registriert sind, beginnt das Personal mit der Bearbeitung: Im Bereich Materialerhaltung wurden die Fahrzeuge dekonfiguriert, also umgerüstet. Funkgeräte und Waffenanlage wurden abgebaut, die Waffenstation und die Elektronik auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft.

Die Rückverlegung der deutschen Kräfte und des Materials hatte Anfang Mai dieses Jahres begonnen. Damals waren noch etwa 1.100 Soldaten der Bundeswehr an den Standorten Kabul und Masar-i Scharif stationiert gewesen. Diese sowie die umfangreiche Ausrüstung wurden nach Angaben der Bundeswehr innerhalb von knapp zwei Monaten, d.h. bis Ende Juni, nach Deutschland transportiert. Inzwischen sind im Materiallager Zeithain die letzten Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände aus dem Afghanistan-Einsatz fertig bearbeitet, dieser Auftrag ist also abgeschlossen.

Auch wenn Einsatzmaterial auf diese Art und Weise weiter genutzt werden kann, so handelt es sich dabei allerdings nur um einen geringen Bruchteil an Werten im Vergleich zu den Gesamtkosten des deutschen Afghanistan-Einsatzes von 17,3 Milliarden Euro.

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