Grundlagen der Sicherheitsinteressen

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Der sicherheitspolitische Diskurs müsse in die Mitte der Gesellschaft gebracht werden "und dafür braucht es die aktive Beteiligung junger Menschen", sagte General Eberhard Zorn im Interview mit dem Bundesverband Sicherheitspolitik an Hochschulen. (Foto: BS/Bundeswehr/Christian Vierfuß)

“Mein großes Petitum ist immer wieder, dass die sicherheitspolitische Community verjüngt wird. Deswegen ist sicherheitspolitische Bildung mit und unter Studierenden so wichtig. Wir müssen es schaffen, jüngere Menschen stärker einzubeziehen”, betonte der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, im Interview mit dem Bundesverband Sicherheitspolitik an Hochschulen. Er sehe es kritisch, dass sich die sicherheitspolitische Community zu einer Art elitären Zirkel mit vorrangig älteren Menschen entwickele, in welche Jüngere – insbesondere Studenten – schwer Einlass fänden, ihre Interessen und Argumente oftmals nicht ernst genommen würden. “Ich halte das für problematisch, weil wir den sicherheitspolitischen Diskurs in die Breite der Gesellschaft bringen müssen und dafür braucht es die aktive Beteiligung junger Menschen. Sicherheitspolitik muss greifbar sein.” Er selbst suche deshalb immer wieder die Gelegenheit, um auch mit jüngeren Menschen ins Gespräch zu kommen und ihre Ansichten zu erfahren.

Auf die Frage, wie er als Dozent ein Seminar zur Sicherheitspolitik aufbauen würde, antwortete General Zorn: “Ich würde Sicherheitspolitik immer erstmal global beginnen. Zunächst die globalen Herausforderungen beleuchten und damit auch die wirtschafts- und sicherheitspolitischen Abhängigkeiten, die speziell für Deutschland gelten. Dann würde ich sofort in die Organisationen hineingehen, die am Ende Sicherheitspolitik verantworten. Das ist beinahe schon die kleine DNA Deutschlands, da wir uns selbst immer sicherheitspolitisch im Kontext von internationalen Organisationen verorten. Multilateralismus ist für uns das prägende Prinzip in der gesamten Außen- und Sicherheitspolitik. Anschließend würde ich die aktuellen Krisenherde analysieren. Wo sind die sicherheitspolitischen Krisengebiete? Wie gehen wir damit um? Über diesen Weg würde ich die internationalen Kooperationen, Organisationen sowie deren Zielsetzungen und Durchschlagskraft sowie die Möglichkeit der Zusammenarbeit erschließen. Dieser multilaterale Ansatz ist für mich ganz wichtig. Gleichzeitig würde ich nicht als allererstes die NATO, sondern erstmal die anderen Organisationen thematisieren, weil diese stärker unseren ressortübergreifenden Ansatz repräsentieren und helfen, Sicherheitspolitik nicht ausschließlich militärisch zu verstehen. Ich würde herausarbeiten, dass die NATO ein politisches Bündnis ist. Anschließend würde ich die Europäische Union aufgreifen, um die Komplementarität von NATO und EU zu beleuchten. Was steckt hinter der gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik, welches sind ihre Stärken und welche Herausforderungen bestehen? Am Ende würde ich gerne diskutieren, welche Interessen Deutschland in diesem Kontext hat. Methodisch würde ich mit einer Keynote starten. Außerdem bin ich großer Fan von konzentrierten Paneldiskussionen. Für das studentische Arbeiten würde ich Workshops bilden, die jeweils von Expertinnen und Experten geleitet würden. Am Schluss gibt es dann eine Art Panel, auf dem die Ergebnisse zusammengeführt werden und kritisch diskutiert werden.”

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