Deutsch-niederländische Cyber-Reserve übt gemeinsam

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Niederländische und deutsche Cyber-Reservisten üben gemeinsam. (Foto: BS/Bundeswehr/Freudenthal)

Mitte Oktober reisten zwölf Angehörige der Cyber-Reserve der Bundeswehr nach Den Haag, um an der mehrtägigen binationalen Übung “Griffin Rising” teilzunehmen. Dabei handelte es sich um eine Übung des niederländischen “Defence Cyber Command” (DCC) für die Cyber-Reserve im Nachbarland. Kommandeur des DCC ist Brigadegeneral René van den Berg. Das DCC ist 2014 aufgestellt worden – d.h. drei Jahre früher als das Kommando Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr (KdoCIR) – und ist Bestandteil des “Army Operational Command”; es untersteht direkt dem Oberbefehlshaber der Königlich-Niederländischen Streitkräfte.

Die bestehende enge binationale Zusammenarbeit zwischen dem Kommando CIR der Bundeswehr mit Sitz in Bonn und dem niederländischen DCC umfasst auch die gemeinsame Integration von Reservedienstleistenden in die Cyber-Kräfte. Diese Kooperation “entstand im April 2019 auf Initiative der niederländischen Cyber-Reserve und wurde über den niederländischen Verbindungsoffizier an das Kommando CIR herangetragen”, so ein Sprecher des Kommandos CIR gegenüber dem Behörden Spiegel.

“Griffin Rising” biete die Gelegenheit, “Entscheidungsfindung auf taktischer Ebene zu trainieren”, so Generalmajor Jürgen Setzer, Stellvertreter des Inspekteurs Cyber- und Informationsraum und Beauftragter für Reservistenangelegenheiten des militärischen Organisationsbereiches.

In der Cyber-Reserve engagieren sich Expertinnen und Experten, die im zivilen Arbeitsleben mit neuesten Technologien arbeiten und sich mit dem Thema “Cyber-Sicherheit” auseinandersetzen und damit auch auskennen. Die Cyber-Reserve soll es ermöglichen, dieses Fachwissen aus der zivilen Arbeitswelt noch besser in den Streitkräften zu nutzen. Zudem bietet sie für interessierte IT-Experten die Möglichkeit, sich in der Bundeswehr auch außerhalb der bisher gängigen Wehrübungen zu engagieren. “Die deutschen Teilnehmenden an der Übung”, so der Sprecher des KdoCIR weiter, “sind beruflich breit aufgestellt.” So ließen sich unter den Reservisten Selbständige finden, die keinen oder nur wenige Angestellte beschäftigten, aber auch solche Unternehmer mit bis zu 90 Mitarbeitern oder aber auch Hochschul-Bedienstete aus den Wissenschaften.

“Die deutschen Cyber-Reservisten haben in Den Haag in gemischten deutsch-niederländischen Teams an der Übung teilgenommen”, so der CIR-Sprecher. Anschließend wurden die Übungsergebnisse ausgewertet: “Die Übungsleitung hat ein Bonus-/Malus-Punkte-System vorgegeben. Ganz wesentlich für den Übungserfolg eines Teams war die Art und Weise, wie das Team zusammengearbeitet hat – also Kommunikationsverhalten, Aufgabenverteilung und Team-Führung. Natürlich gab es auch Punkte für die Erreichung von Missionszielen.”

Geübt wurde innerhalb eines Übungsszenarios, das einem NATO-Szenar einer internationalen Krise nachempfunden war. Die einzelnen Teams mussten nicht nur ihre eigenen Netze schützen, sondern ihre eigene Mission verteidigen. Nicht nur Wissen zu erlangen, sondern dieses auch untereinander auszutauschen, war ein wichtiger Aspekt in dieser Übung. Das übergeordnete Ziel der Übung war die Entwicklung von gemeinsamen, standardisierten Prozessen und Vorgehen für weitere gemeinsame Übungen in der Cyber-Abwehr.

General Setzer erklärte darüber hinaus speziell zum Thema “Cyber-Reserve”: “Wir brauchen Cyber-Reservisten mit ihren besonderen Fähigkeiten: zum Gedanken- und Informationsaustausch und, um gemeinsam hybriden Bedrohungen zu begegnen – dies auch im Vorfeld einer Landes- und Bündnisverteidigung.”

Der Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum hat sich für Ungediente stärker geöffnet als andere Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche. Hierbei sind nicht nur klassische IT-Spezialisten gefragt, sondern viele weitere Fähigkeiten. Beispielsweise für die Abwehr von Desinformations- und Hetzkampagnen als Mittel der Destabilisierung von Gesellschaften in Einsatzgebieten werden professionelle Analysten benötigt. Hier können auch dafür qualifizierte Cyber-Reservisten einen wichtigen Beitrag leisten.

“Derzeit”, so Oberstleutnant Joachim Dutschke, Referatsleiter Reservistenarbeit des Kommandos CIR, “sind mehrere Denkmodelle im Rahmen der Attraktivitätssteigerung und Personalgewinnung in der näheren Betrachtung. Von der Anerkennung ziviler Qualifikationen, über die Einbindung von Fähigkeitsträgern ohne staatlich anerkannte Abschlüsse bis hin zur Inklusion.”

Deutsche Reservisten haben zum zweiten Mal an der Übung “Griffin Rising” teilgenommen. “Die erste Teilnahme der [deutschen] Cyber-Reserve erfolgte 2019 im Rahmen einer Übung der niederländischen Cyber-Reserve. Die [Übung] hieß damals ‘Griffin Dawn'”, so der Sprecher des Kommandos CIR abschließend.

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