Deutsch-niederländische Gespräche mit Taliban in Afghanistan

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(Foto: Auswärtiges Amt)

Gestern besuchte eine deutsch-niederländische Delegation von Diplomaten die afghanische Hauptstadt Kabul, um politische Gespräche mit hochrangigen Vertretern der Taliban-Regierung zu führen. Von deutscher Seite nahmen an diesem Meinungsaustausch teil Botschafter Jasper Wiek (Foto), Beauftragter des Auswärtigen Amtes für Südasien und für die Indo-Pazifik-Politik sowie seit Sommer dieses Jahres Sonderbeauftragter der Bundesregierung für Afghanistan und Pakistan, gemeinsam mit Botschafter Markus Potzel, dem designierten deutschen Botschafter am Hindukusch. Von niederländischer Seite beteiligte sich Emiel de Bont, Sondergesandter des Außenministeriums in Den Haag für Afghanistan, an den Gesprächen in Kabul.

Markus Potzel war der direkte Vorgänger von Jasper Wiek als Sonderbeauftragter der Bundesregierung für Afghanistan und Pakistan. Von August 2014 bis August 2016 war Potzel bereits deutscher Botschafter in Afghanistan gewesen. Mitte August dieses Jahres war er dann auf dem Weg nach Afghanistan, um sein Amt als deutscher Botschafter am Hindukusch anzutreten, als die Regierung von Staatspräsident Aschraf Ghani aus dem Land floh. Nach der Evakuierung der deutschen Botschaft in Kabul in Folge der Machtübernahme durch die “Koranschüler” noch im selben Monat wurde Potzel von Außenminister Heiko Maas ins Golfemirat Katar entsandt, um dort Verhandlungen mit den Taliban zu führen.

Zu den jetzigen Gesprächspartnern der deutsch-niederländischen Delegation zählten unter anderem der “Starke Mann” des Landes, Mullah Abdul Ghani Baradar – Mitbegründer der Terrorgruppe und Stellvertreter von Taliban-Führer Mullah Omar –, der De-facto-Außenminister Amir Khan Motaqi und der Geheimdienstchef Abdul Haq Wasiq. Die Taliban-Führung bekräftigte gegenüber den europäischen Diplomaten ihre Zusage, nie wieder zuzulassen, “dass afghanischer Boden als Basis oder Ausgangspunkt für internationale terroristische Bedrohungen” missbraucht würde. Außerdem zeichnet sich folgender “Deal” ab: Bewältigung der humanitären Notlage gegen diplomatische Anerkennung.

Die deutsch-niederländische Delegation traf zudem Hamid Karsai, Staatspräsident von 2001 bis 2014, und Dr. Abdullah Abdullah, Regierungschef von 2014 bis 2020, in der Hauptstadt. Es ist schon bemerkenswert, dass diese beiden ehemaligen Spitzenpolitiker sich offenkundig guter Gesundheit erfreuen, nachdem nach der ersten Machtergreifung durch die Taliban im Jahre 1996 der damalige pro-sowjetische Staatspräsident Mohammed Nadschibullāh von den “Gotteskriegern” gefoltert und öffentlich gehängt worden war. Zum Abschluss dankten die europäischen Diplomaten Katar für seine “guten Dienste” und für die Unterstützung bei der Durchführung dieses Besuches.

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