Vom Systemhaus zur Partnerschaft

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Das High Level Forum der Inspekteure und Stellvertretenden Inspekteure der militärischen Organisationsbereiche der Bundeswehr war einer der Höhepunkte der Berliner Sicherheitskonferenz. Durch die Moderation von MdB Wolfgang Hellmich kamen Erkenntnisse zu Tage, zum Beispiel, dass es bei sechs unterschiedlichen militärischen Organisationsbereichen auch sechs teilweise grundverschiedene Verständnisse von den Systemhäusern gibt, welche im Eckpunktepapier zur Bundeswehrreform eine so prominente Rolle einnehmen.

Für den Sanitätsdienst der Bundeswehr besteht der Systemhaus-Gedanke vor allem aus der Verbindung von Wissenschaft, Beschaffung und Nutzern. Die Marine macht sich Gedanken darüber, wie die Industrie so früh wie möglich in die Entwicklung von Systemen mit eingebunden werden kann. Ähnlich sieht es die Streitkräftebasis (SKB), welche die Einbindung aller Akteure von der Design- bis zur Nutzungsphase unter dem Systemhaus versteht. Das Ziel der Luftwaffe ist vor allem die operational Readiness aktueller und künftiger Luftfahrzeuge, weshalb in dem Systemhaus die nationalen und internationalen Flugsicherheitsbehörden Beachtung finden müssen. Das Heer sieht wiederum im Systemhaus den Überbau über alle Services, das Zusammenfassen und die Konzentration aller Aufgaben und Fähigkeiten, damit die Soldaten ihre Aufgaben erfolgreich durchführen können. Der Inspekteur des Cyber- und Informationsraum (CIR), Vizeadmiral Dr. Thomas Daum, bezeichnete das Systemhaus als noch undefinierten Begriff, der seiner Ansicht nach allerdings den Versuch darstellt, den In-Service-Support vom ursprünglichen Beschaffungsprozess zu trennen. Ein Vorgehen, das er durchaus kritisch sieht, da die Konzentration auf die 25-Mio-Vorlagen im Beschaffungsbereich das Problem seien, nicht das BAAINBw an sich. Verträge mit kleineren Summen verzögerten sich hierdurch, was besonders den ITK-Bereich schwäche.

In der Diskussion wurde zudem deutlich, welche unterschiedlichen Anforderungen und Grundbedingungen herrschen. Während sich das CIR als bereits durchgehend im Einsatz sieht – “Im Cyberraum befinden wir uns unter durchgehendem Beschuss”, sagte Vizeadmiral Daum – und die SKB in allen deutschen Hotspots, Katastrophengebieten und Auslandseinsätzen Herausragendes leistet, befindet sich das Heer in der Vorbereitung auf die VJTF (L) 2023. Zu diesen unterschiedlichen Grundbedingungen kommen die verschiedenen strategischen Kompasse, besonders die von NATO und EU. Hierzu betonte der Inspekteur Marine, Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach: “Die USA sind nicht nur ein strategischer Alliierter für uns, sie sind unser einziger entscheidender Partner. Wenn wir uns von den USA ablösen, dann sind wir wirklich verloren.”

Die nächste BSC wird am 30. November und 1. Dezember 2022 im Andel’s in Berlin stattfinden.

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