Ergänzung, keine Alternative

0
935
Christopher Bick (links), CEO von stashcat, und Gerd Friedsam, Präsident des Technischen Hilfswerks (THW), tauschten sich vor der Flutkatastrophe über den Messenger hermine@THW aus. (Foto: THW)

Bei der Flutkatastrophe im vergangenen Juli fiel teilweise der Digitalfunk aufgrund von beschädigten Basisstationen aus. Schnell mussten andere Kommunikationswege gefunden werden. Einer dieser Kommunikationskanäle war der Messenger-Dienst hermine@THW, der im Dezember seinen ersten Geburtstag feiern konnte.

In der Hochzeit der Flutkatastrophe nutzten während des Einsatzes mehr als 16.000 Helferinnen und Helfer des THW die Applikation. Täglich wurden bis zu 60.000 Nachrichten über den Messenger ausgetauscht. Die Erfahrung während des Großeinsatzes habe den Mehrwert des Messenger-Dienstes zur Kommunikation im Einsatz aufgezeigt, heißt es vonseiten des THW. Dennoch sei dieser Kommunikationskanal nur als Ergänzung zu verstehen. So seien Bilder von der Einsatzstelle als “erweiterte Erkundungsergebnisse” an die Führungsstelle gesendet und die Einsatzkommunikation wurde mit dem dafür vorgesehenen Einsatzmittel, dem Digitalfunk, abgewickelt worden. Besonders die interne Kommunikation sei vereinfacht worden. Gerade in den Bereitstellungsräumen wie dem Nürburgring seien die Helfer über den Messenger mit einem täglichen Newsletter, Einsatzbildern oder dem aktuellen Speiseplan versorgt worden.

“Es war ein Glück, dass der Messenger in der Corona-Pandemie eingeführt wurde”, sagt auch Christopher Bick, CEO von stashcat. Das Hannoveraner Unternehmen hat die App entwickelt. Das Messenger-System, auf dem hermine@THW basiert, nutzen schon verschiedene Landespolizeidienststellen und Kommunen. Nach Angaben des Unternehmens habe die App schon 1,3 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer.

hermine@THW steht seit Einführung allen THW-Angehörigen ab 16 Jahren zur Verfügung. Mittlerweile nutzen rund 33.000 Kräfte des THW diesen Messenger. Der Dienst wurde in der Corona-Pandemie eingeführt, damit schnell und sicher kommuniziert werden kann und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ebenen gestärkt wird.

Weiterentwicklung geplant

Als die Flutkatastrophe gekommen sei, hätten die Einsatzkräfte schnell auf dieses neue Kommunikationssystem setzen können, so Bick. Gerade in der Einsatzzeit sei die Nutzerzahl noch mal gestiegen. Die Benutzeroberfläche erinnert stark an gängige Messenger wie zum Beispiel WhatsApp, die auch im privaten Bereich von vielen Menschen genutzt werden. Daran habe man sich angelehnt, damit die Nutzer sich intuitiv zurechtfinden, erklärt Bick. Aber bei dem reinen Messenger wolle man nicht stehen bleiben. “Die Themen wie die Ausgabe von Kartenmaterial oder das Dateien-Management, also der schnelle Zugriff auf Lagepläne oder Bilder vom Einsatzort, sind Punkte, die jetzt nach und nach in das Messenger-System implementiert werden sollen”, skizziert der CEO von stashcat den weiteren Weg.

Aber auch das Thema der Interoperabilität möchte Bick angehen. Gerade im Hinblick auf die kommenden Katastrophenlagen sei eine Kommunikation auch zwischen verschiedenen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) besonders wichtig. Das System soll in Zukunft maximal inter-operabel ausgelegt werden. Dies bedeutet, dass nicht nur verschiedene BOS mit dem System von stashcat miteinander kommunizieren sollten, sondern dass auch Kommunikationsmöglichkeiten mit anderen Messenger-Lösungen angestrebt werden, erklärt Bick. Aber er stellt klar, dass er hermine@THW eher als Ergänzung denn als Alternative zum BOS-Funk sieht.Auch das THW stellt klar, dass der Messenger-Dienst den Digitalfunk nicht ersetzen wird und kann. hermine@THW sei kein Mittel der direkten Einsatzabwicklung. Dennoch soll dieser Dienst weiterhin in Einsätzen genutzt werden. Gerade bei alltäglichen lokalen Einsätzen sei er ein hilfreiches digitales Mittel und vereinfache die Kommunikation vor Ort deutlich.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here