Polizeilich gesucht: Der digitale Transformator

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(Grafik: Gerd Altmann, pixabay.com)

Pünktlich, sogar noch vor den angekündigten Termin am Nikolaustag 2021, hat das Programm P20, ehemals Polizei 2020, seine in der Fachwelt lange erwartete Ausschreibung für den Generalunternehmer (GU) zum Aufbau des künftigen Informationsmanagements der deutschen Polizeien auf der eVergabe-Plattform des Beschaffungsamtes des Bundesinnenministeriums (BeschA) eingestellt.

Nicht ganz unerwartet enthalten die Vergabeunterlagen allerdings gar nicht mehr die Anforderungen an den ursprünglich anvisierten zentralen GU, sondern die “Leistungsbeschreibung zur Rahmenvereinbarung zur Umsetzung der digitalen Transformation Polizei 20/20”. Gesucht wird jetzt ein “Transformator”, der in den nächsten Jahren im Zusammenspiel mit der P20-Progamm-Leitung “Konzeption, Planung, Aufbau, Migration und Transformation zu einer gemeinsamen, modernen und einheitlichen Informationsarchitektur für die Polizeien des Bundes und der Länder” realisiert. 

Definiert wird in den Unterlagen dementsprechend auch kein Werk-, sondern ein Dienstleistungsvertrag, der für die Programmleitung und perspektivisch auch für die Teilprojekte in den Ländern Lieferungen zu verschiedenen Leistungskategorien abrufbar macht. Der Vertragsentwurf sieht wie erwartet ein Gesamtvolumen von 165 Millionen Euro vor. Eine Deckelung beschränkt die Gesamtausgaben auf 247,5 Millionen Euro. Eine Mindestabnahme ist ausdrücklich nicht vorgesehen. Bei der Laufzeit hat man sich angesichts des Vorhabenumfangs vernünftigerweise auf fünf Jahre mit der Option auf zwei zweijährige Verlängerungen geeinigt, also auf eine Höchstlaufzeit von neun Jahren.

Leistungsbeschreibung extrem knapp gehalten

Als geradezu innovativ kann man die mit knapp fünfzig Seiten extrem knapp gehaltene Leistungsbeschreibung bezeichnen. Bei IT-Projekten der vorliegenden Größenordnung ist man da eher an mehrere tausend Seiten technischer Spezifikationen gewöhnt, denen die Bieter auf ebenso vielen Seiten mit quantifizierbaren, bepreisten Leistungsbeschreibungen begegnen.

Die P20-Vergabeunterlagen enthalten demgegenüber praktisch keine technischen Spezifikationen – sieht man von geforderten Standards einmal ab. Vielmehr werden die Bieter nach, im Seitenumfang ebenfalls beschränkten, Konzepten für die Pakete des anvisierten Leistungsspektrums befragt.  

Deutschlandweit dürften sich in den nächsten Wochen – Termin für die Angebotsabgabe ist der 2. Februar 2022 – verschiedene interessierte Firmen-Konsortien den Kopf darüber zerbrechen, wie die definierten Leistungsbereiche rund um das “Datenhausökosystem” zu verstehen und damit auch – ohne detaillierte Kenntnis des aktuellen Projektstands – erfolgreich zu beantworten sind. 

Konkret verlangt die Leistungsbeschreibung Aussagen zu den Bereichen Konzeption der Datenhausökosystem-Governance, Konzeptions- und Planungsleistungen zur Herstellung des Datenhausökosystems, Leistungen bei der Transformation zum Zielbild 2030, Konzeption und Planung von Systemeinführungen und Migrationsleistungen, Leistungen bei Systemeinführungen und Migrationen sowie Konzeption und Aufbau eines Qualitäts- und Testmanagements.

Mit vielen Bieterfragen ist zu rechnen

Vermutlich werden sich nicht einmal die Ausschreibenden von P20 darüber wundern, wenn sie dazu zahlreiche Bieterfragen erreichen. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge sind weder Vorstellungsauftritte noch Verhandlungen geplant. Wenn alles gut geht, soll der Zuschlag bereits im zweiten Quartal auf Basis der Papierform erfolgen.

Der Behörden Spiegel wird in seiner kommenden Ausgabe ausführlich über das Vergabeverfahren berichten.

Die Autorin des Beitrags ist Dr. Barbara Held.

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