Ungleichgewicht bei Spitzenbeamten im Bund

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Kein Gleichgewicht: Menschen in Spitzenpositionen des Bundes, die aus den neueren Bundesländern stammen, sind in der aktuellen Bundesregierung rar. (Foto: BS/OpenClipart-Vectors, pixabay.com)

30 Jahre nach der Wiedervereinigung sind Spitzenbeamtinnen und -beamte aus den neueren Bundesländern nach wie vor unterrepräsentiert. Das belegt eine neue Studie der Universität Kassel. Anders die Situation bei den Geschlechtern.

Unter den Staatssekretären und Abteilungsleitern finden sich kaum Menschen mit Wurzeln aus Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. In der letzten Legislatur unter Bundeskanzlerin Angela Merkel lag der Anteil bei rund einem Prozent. Aktuell gebe es nur eine Staatssekretärin, die in den genannten Bundesländern aufgewachsen ist: Die gebürtige Rostockerin Antje Draheim, Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Silvia Veit, Fachgebiet Public Management der Universität Kassel, aus dem Forschungsprojekt “Neue Eliten – Etabliertes Personal”.

An den Kabinettstischen sei das Verhältnis etwas besser. In den vergangenen Legislaturen habe der Anteil von Bundesministerinnen und -ministern aus den neueren Bundesländern bei rund neun Prozent gelegen. Allerdings sei dieser Wert deutlich geringer als in den Legislaturen nach 1990. Aktuell gebe es mit Clara Geywitz und Steffi Lemke zwei Ministerinnen und mit Reem Alabali-Radovan, Carsten Schneider und Michael Keller drei weitere Personen unter den Beauftragten und parlamentarischen Staatssekretären / Staatsministern und damit weniger als neun Prozent.

Ander die Entwicklung beim Frauenanteil. In der damaligen Bundesrepublik waren Ende der 1990er Jahre alle Beamten in Spitzenpositionen männlich. In der letzten Amtszeit von Bundeskanzler Helmut Kohl lag der Frauenanteil bei zwei Prozent. In der dritten Amtszeit von Angela Merkel lag der Frauenanteil in diesen Positionen bei über 20 Prozent. In der neuen Bundesregierung unter Olfa Scholz ist er auf über 40 Prozent angestiegen.

Das Team um Prof. Veit untersuchte 3.600 Karriere-Biographien von Regierungsmitgliedern und hohen Beamtinnen und Beamten in den Ministerien von der Kaiserzeit bis ins gegenwärtige Deutschland. Kern des 2017 gestarteten Forschungsprojektes ist die Frage, inwiefern Spitzenpersonal in zentralstaatlichen Ministerien nach politischen Umbrüchen beibehalten oder ausgetauscht wurde.

Weitere Informationen unter: https://kobra.uni-kassel.de/handle/123456789/11789

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