Mehr illegale Migranten wollen in die EU

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Die Besatzung der Fregatte Schleswig-Holstein rettet am 20.Juni 2015 362 Männer, 88 Frauen und 21 Kinder aus einem Holzboot. (Foto: BS/Bundeswehr/Achim Winkler)

Während in Deutschland der Grenzschutz eine rein polizeiliche Angelegenheit ist, sehen andere europäische Länder die Trennung nicht ganz so kritisch. In Frankreich ist zwar offiziell auch nur die Polizei zuständig, in kritischen Situationen wurde sie in den vergangenen zehn Jahren allerdings oftmals durch die Streitkräfte unterstützt. Der britische Grenzschutz ist ähnlich organisiert wir die Bundespolizei, allerdings herrscht in der Zusammenarbeit mit den Streitkräften mehr Pragmatismus, weshalb Soldaten regelmäßig Aufgaben der Grenzkontrolle übernehmen. In anderen europäischen Staaten ist die Lage ähnlich.

Die NATO hat illegale Migration zudem als Risiko für die Sicherheit und Stabilität ihrer Mitgliedsstaaten definiert und in der Vergangenheit entsprechende Operationen durchgeführt oder unterstützt, auch mit deutscher Beteiligung. Die Herkunftsstaaten der illegalen Migranten spiegeln die aktuellen sicherheitspolitischen Brandherde wider. Zudem wurde spätestens im vergangenen Jahr offensichtlich, dass die Schaffung von Möglichkeiten zur illegalen Migration Richtung EU mittlerweile als politisches Druckmittel verwendet wird.

Die europäische Grenzschutzagentur Frontex hat nun die vorläufigen Zahlen für illegale Grenzübertritte in 2021 veröffentlicht. Demnach lag die Gesamtzahl bei knapp 200.000. Dies ist der höchste Wert seit 2017.

Genauer ausgedrückt handelt es sich um einen Anstieg von 57 Prozent verglichen mit 2020. Bezogen auf 2019 lag der Anstieg bei 36 Prozent. “Dies deutet darauf hin, dass andere Faktoren als die Aufhebung der Beschränkungen der globalen Mobilität die Ursache für den erhöhten Migrationsdruck sind”, heißt es von Frontex. “Ein solcher Faktor, der das Jahr 2021 bestimmte, war zweifellos die Situation an den Grenzen zu Weißrussland, so dass es ein weiteres Jahr war, in dem die Migration für eine hybride Operation genutzt wurde, die auf die EU-Außengrenze abzielte.”

Die Zahlen von Frontex sind somit ein Spiegelbild des Weltgeschehens, da in einer digitalisierten Welt die Bilder vom sicheren Schlaraffenland EU durch die ganze Welt gehen, in dem jeder in Frieden und Wohlstand leben kann.

Unterteilt nach Nationalitäten, kamen die meisten Menschen, die illegal die EU-Grenze passieren wollten, aus Syrien, gefolgt von Tunesien, Marokko, Algerien und Afghanistan. Frontex führt weiter aus: “Wie im Jahr 2020 machten Frauen auch 2021 weniger als jeden zehnten Ankommenden aus, was einen deutlichen Rückgang ihres Anteils im Vergleich zu 2019 bedeutet. Bei den anderen Gruppen schutzbedürftiger Personen blieb der gemeldete Anteil der Minderjährigen weitgehend unverändert, ebenso wie der Anteil der unbegleiteten Minderjährigen.”

Der am meisten genutzte Weg ist weiterhin die Mittelmeerroute, hier fanden rund ein Drittel aller illegalen Grenzpassierversuche statt. “Mit einem Anstieg der Aufdeckungen um 83 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, der auf mehr Ankünfte von libyschen, tunesischen und türkischen Küsten aus zurückzuführen ist, nahm diese Route sogar eine noch wichtigere Rolle unter den Migrationsrouten ein”, beschreibt Frontex. “Während tunesische Migranten in dieser Region am häufigsten entdeckt wurden, kehrten 2021 vor allem ägyptische Migranten in größerer Zahl zurück – eine Versiebenfachung im Vergleich zu 2020. Zusammen mit Migranten aus Bangladesch gehörten Ägypter zu den wichtigsten Nationalitäten im zentralen Mittelmeer.”

Die Zahl der Aufgriffe auf der westafrikanischen Route war mit 22.500 Personen ähnlich hoch wie bereits im Jahr 2020, mit dem saisonal regelmäßig auftretenden Höhepunkt im September. Die meisten illegalen Migranten waren Marokkaner.

Etwa 18.000 Personen versuchten 2021 die Einreise über die westliche Mittelmeerroute, was ebenfalls im Kern den Zahlen der Vorjahre entspricht. Die meisten Menschen kamen aus Algerien, gefolgt von Marokko.

Zehn Prozent der illegalen Grenzübertritte erfolgten auf der östlichen Mittelmeerroute. Auch wenn diese Zahl stabil scheint, fand eine Verschiebung statt. Einen besonderen Anstieg verzeichnete Zypern mit rund 10.400 Aufdeckungen, hauptsächlich Afrikaner, was einer Steigerung um 123 Prozent entspricht.

“Die Westbalkanroute verzeichnete 2021 einen weiteren Anstieg der gemeldeten Aufdeckungen illegaler Grenzübertritte um 124 Prozent im Vergleich zu 2020. Auf dieser Route war bis September ein steigender Trend und in den darauffolgenden Monaten ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Die Mehrzahl der festgestellten illegalen Grenzübertritte geht auf Personen zurück, die sich bereits seit einiger Zeit in der Region aufhalten und wiederholt versuchen, ihr Zielland in der EU zu erreichen”, berichtet Frontex. “An den östlichen Landgrenzen wurden für das Jahr 2021 rund 8.000 illegale Grenzübertritte festgestellt, was einem Anstieg um mehr als das Zehnfache im Vergleich zu 2020 entspricht. Dies verdeutlicht den starken Druck, der durch die ständigen Grenzübertrittsversuche entsteht, die im Zusammenhang mit dem erklärten Ausnahmezustand in allen drei an Belarus angrenzenden EU-Mitgliedstaaten festgestellt wurden. Die Zahlen erreichten ihren Höhepunkt in der zweiten Jahreshälfte, als sich der Migrationsdruck zunächst auf die litauische Grenze konzentrierte und sich danach auf die polnische und lettische Grenze verlagerte.”

Nach Informationen des Behörden Spiegel soll Frontex zwei Vize-Generaldirektoren erhalten, davon stammt einer aus Deutschland.

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