“In der Krise Köpfe kennen” reicht nicht mehr

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Auf dem Digitalen Katastrophenschutz-Kongress sprach Uwe Proll (link), Chefredakteur des Behörden Spiegel, mit Generalmajor Carsten Breuer. (Screenshot: BS/Klawon)

Die Flutkatastrophe und die Corona-Pandemie haben altgeglaubte Prinzipien des Katastrophenschutzes überholt. “In der Krise Köpfe kennen” reiche nicht mehr aus, sagte Generalmajor Carsten Breuer, Kommandeur des Kommandos Territoriale Aufgaben der Bundeswehr (KdoTerrAufgBw) und Leiter des Corona-Krisenstabes der Bundesregierung auf dem Digitalen Katastrophenschutz-Kongress.

Ebenso reiche es nicht mehr aus, sich gegenseitig unter den Katastrophenschutzakteuren die eignen Fähigkeiten vorzustellen, in der Hoffnung, dass die andere Seite die richtigen Schlüsse zieht. Vielmehr müsse neben den Fragen der praktischen Ausbildung die gemeinsame und harmonisierte Ausbildung der Führungskräfte in den Blick genommen werden. “Die, die vor Ort Verantwortung haben, und die, die in der und durch die Krise führen, müssen aufeinander abgestimmt sein. Sie müssen den gleichen Krisenwortschatz haben. Sie müssen für das Führen in der Krise gleich ausgebildet sein. Sie müssen die gleichen Verfahren nutzen”, sagte Breuer. Dann würde die Führung in der Krise gelingen.

Den Schwarzen Schwänen begegnen

Dazu gehöre auch laut dem Kommandeur, dass Szenarien gemeinsam bearbeitet und gleiche Verfahren genutzt werden, damit man sich auf unbekannte und noch nicht gedachte Szenarien einstellen kann. Die “Schwarzen Schwäne” und die “unknown unknowns” ließen sich so in den Griff bekommen.

Ebenso mahnte der Generalmajor an, dass man das “worst-case”-Denken bewahren muss. Denn nur dieses Denken schaffe die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Krisenbewältigung. Es dürfe nicht wegdiskutiert werden, weil man die Auswirkungen oder die Befürchtungen nicht haben möchte.

Aber auch die sich verändernde Sicherheitslage in der Welt habe unmittelbare Auswirkungen auf den Katastrophenschutz. Die Grenzen zwischen Krise, Katastrophe und Spannungsfall verwischten zunehmend. Ein Bespiel sei hierbei Cyber-Angriff auf die Kritischen Infrastrukturen (KRITIS). Innere Sicherheit ließe sich nicht mehr von der äußeren Sicherheit trennen. Dies müsse in Zukunft mehr in den Blick genommen werden.

Aber Breuer hofft auch, dass die positiven Auswirkungen der Corona-Pandemie in der Katastrophenschutz-Community erhalten bleiben. So seien die Strukturen gestärkt worden, aber vor allem sei das Verständnis der Amtshilfegebenden und der -nehmenden Seite gestiegen. Man könne die Zwänge und die Abhängigkeiten der jeweils anderen Seite besser verstehen. Dies müsse unbedingt erhalten bleiben.

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