Vielfältige Lehren aus der Flutkatastrophe  

0
708
Rene Burfeindt, Leiter des Bereichs Nationale Hilfsgesellschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), zog Lehren aus der Flutkatastrophe. (Screenshot: BS/Klawon)

Die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Sommer führte zu einem der größten Einsätze des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Bei dieser Lage kamen Fähigkeiten der Hilfsorganisation zum Einsatz, mit denen das DRK nicht so häufig in Verbindung gebracht wird.

Bei dem Einsatz, bei dem allein in Rheinland-Pfalz 40.000 Menschen unmittelbar von der Flut betroffen waren, baute die Rotkreuz-Organisation eine provisorische Kläranlage, die jetzt bis zu zwei Jahren in Betrieb bleiben soll, berichtete René Burfeindt, Leiter des Bereichs Nationale Hilfsgesellschaft des DRK, auf dem Digitalen Katastrophenschutz-Kongress. Dies sei erstmalig in Deutschland der Fall gewesen, denn eigentlich sei diese Anlage für die Auslandshilfe konzipiert worden und sollte in Bangladesch eingesetzt werden. Dennoch konnte so schnell den Menschen vor Ort geholfen und die hygienische Situation verbessert werden, da das Abwasser nach der Katastrophe unbehandelt in Ahr abgeflossen sei. Aber auch eine Stromversorgung und die Breitstellung von einer Funkinfrastruktur konnte durch das DRK realisiert werden. Der Einsatz war trotz der vielen menschlichen Tragödien für viele Einsatzkräfte sinnstiftend, erklärte Burfeindt. Bei dem Einsatz absolvierten die zeitweise 3.500 Einsatzkräfte rund 90.000 Einsatzkräftetage.

Dennoch war das DRK bei dieser komplexen Einsatzlage auch selbst im besonderen Maße betroffen. So seien Rettungswachen und die DRK-Infrastruktur im Ahrtal zerstört worden. Dies hätte zur Folge gehabt, dass vielerorts die medizinische Versorgung neuorganisiert werden musste. Ebenso rückte die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) bei diesem Einsatz in den Vordergrund.

Lessons Learned aus der Katastrophe

Der Leiter des Bereichs Nationale Hilfsgesellschaft identifizierte im Nachgang der Flutkatastrophe vier Lehren, die angegangen werden müssten. Als Erstes müssten die Zivilschutzreserven des Bundes, hierbei besonders das sogenannte Modul “Labor Betreuung 5.000” ausgebaut werden. Dieses Pilotprojekt, an dem neben dem DRK auch die anderen Hilfsorganisationen beteiligt sind, müsse auf zehn Standorte in ganz Deutschland erweitert werden.

Als zweite Lehre mahnte der Rotkreuzler die Helfergleichstellung von Kräften der Hilfsorganisationen mit den Kräften der Feuerwehr sowie des Technischen Hilfswerks (THW) an. Besonders bei der Freistellung vom Arbeitgeber und der Lohnfortzahlung seien Helferinnen und Helfer des DRK noch benachteiligt. Burfeindt blickt deshalb positiv auf die Vorhaben im Koalitionsvertrag in diesem Bereich.

Drittens müssten im Hinblick auf die Pandemie, den Klimawandel und Cyber-Angriffe die Konzepte im Bevölkerungsschutz angepasst werden. Zu dieser Anpassung würde eine nachhaltige Finanzierung für eine angemessene Bevorratung, Infrastruktur und ehrenamtliche Unterstützung zählen.

Als letzte Lessons Learned sieht Burfeindt eine Stärkung der Resilienz der Bevölkerung. Diese müsse befähigt werden, sich in Krisen und Katastrophen selbst zu helfen und zu schützen. Es müsse außerdem Ziel sein, eine bundesweite Reserve an Pflegehelferinnen und -helfern aufzubauen. Dazu sollen durch bundesweite Qualifizierungen zwei Prozent der Bevölkerung zu Helfern ausgebildet werden.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here