Mehr Chips für Europa

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Mit dem Europäischen Chip-Gesetz soll die technische Souveränität Europas gesichert und künftige Halbleiterknappheiten verhindert werden. (Foto: BS/Republica, pixabay.com)

Die aktuelle weltweite Halbleiterknappheit hat dazu geführt, dass eine Vielzahl von Werken schließen mussten. Vor allem die Automobilbranche und Hersteller medizinischer Geräte waren betroffen. Die EU-Kommission stellte nun das Europäische Chip-Gesetz vor und will den Halbleitermarkt umkrempeln.

Die Europäische Kommission will die Widerstandsfähigkeit und die technologische Souveränität der EU im Bereich der Halbleitertechnologien und -anwendungen stärken. Gemeinsam mit den Mitgliedstaaten und internationalen Partnern sollen mehr als 43 Mrd. Euro an öffentlichen und privaten Investitionen mobilisiert werden. Bis 2030 will die EU so ihren derzeitigen Marktanteil bei der Halbleiterproduktion auf 20 Prozent verdoppeln. “Das Europäische Chip-Gesetz wird die globale Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Binnenmarkts verändern. Kurzfristig wird es unsere Widerstandsfähigkeit gegenüber künftigen Krisen erhöhen, indem wir Störungen der Lieferkette antizipieren und vermeiden können. Mittelfristig wird es Europa zu einer führenden Position in dieser strategisch wichtigen Branche verhelfen“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Brüssel.

Mit dem Gesetz will die EU sich unabhängiger vom Weltmarkt machen und ihre Versorgung mit Halbleitern sichern. Hierzu werden mehrere Maßnahmen eingeführt, um diese Ziele möglichst schnell zu erreichen. So soll die Initiative “Chips für Europa“ die Ressourcen der Union, der Mitgliedstaaten und beteiligter Drittländer besser bündeln. Es werden 11 Mrd. EUR bereitgestellt, um Forschung, Entwicklung und Innovation zu stärken. Außerdem soll der Einsatz fortschrittlicher Halbleiter-Werkzeuge und die Errichtung von Pilotanlagen für Prototypen sowie das Testen und Erproben von neuen Halbleitermodellen für innovative praktische Anwendungen sicherzustellt werden.

Ein weiterer Fokus wird auf die Versorgungssicherheit gelegt. Durch Anreize für Investitionen und verbesserte Produktionskapazitäten sollen künftige Knappheiten verhindert werden. Darüber hinaus soll durch einen Chip-Fonds Start-Up Unternehmen der Zugang zu Finanzierungsmitteln erleichtert werden. Ein Mechanismus für die Koordinierung zwischen den Mitgliedstaaten und der Kommission wird zur Überwachung des Angebots an Halbleitern, zur Abschätzung der Nachfrage und zur Vorwegnahme von Engpässen dienen. Das Gremium wird die Halbleiter-Wertschöpfungskette überwachen und zu diesem Zweck Schlüsselinformationen von Unternehmen sammeln, um Hauptschwachstellen und -engpässe zu kartieren.

Alle Mitgliedstaaten sind nun angewiesen, unverzüglich mit den Koordinierungsmaßnahmen zu beginnen. So soll möglichen Störungen vorgegriffen und die jetzige Knappheit überbrückt werden. Das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten werden den Vorschlag der Kommission für ein Europäisches Chip-Gesetz im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren erörtern. Sobald die Verordnung verabschiedet ist, wird sie unmittelbar in der gesamten EU gelten.

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