Es herrscht Krieg in Europa – und das Heer steht blank da

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"Die Bundeswehr, das Heer, das ich führen darf, steht mehr oder weniger blank da", sagte der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, zum aktuellen Zustand seiner Teilstreitkraft. (Foto: BS/Bundeswehr)

“Du wachst morgens auf und stellst fest: Es herrscht Krieg in Europa”, sagte der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, heute morgen mittels seines LinkedIn-Accounts. “Ich hätte in meinem 41. Dienstjahr im Frieden nicht geglaubt, noch einen Krieg erleben zu müssen. Und die Bundeswehr, das Heer, das ich führen darf, steht mehr oder weniger blank da.”

Worauf der Inspekteur sich bezieht ist die unter Verteidigungsminister Thomas de Maizière begonnene “Ausrichtung auf den Einsatz”, die im Grunde eine Reduzierung der Bundeswehr auf das als absolutes Minimum empfundene Maß – und noch ein wenig darunter – bedeutete. Zwei Einsätze sollten zeitgleich möglich sein, mit schnell verlegefähigen Kleingruppen. Wenn allerdings nur noch kleine Einheiten zu versorgen sind, geht die entsprechende Fähigkeit für die Großverbände verloren. Zumindest, wenn sie sich nicht in der heimischen Kaserne befinden.

Darunter leidet auch der Host Nation Support. Während in früheren Zeiten die amerikanischen Kräfte von deutscher Kaserne zu deutscher Kaserne verlegen konnten, mussten U.S. Apache Longbow Hubschrauber vergangene Woche bei Dresden auf dem Zivilflughafen auftanken.

Diese Erkenntnisse sind allerdings nichts Neues. Sie waren auch Generalleutnant Mais, der seit zwei Jahren Inspekteur Heer ist, bekannt. “Wir haben es alle kommen sehen und waren nicht in der Lage, mit unseren Argumenten durchzudringen, die Folgerungen aus der Krim-Annexion zu ziehen und umzusetzen”, schreibt Generalleutnant Mais. Noch sei das NATO-Territorium seiner Einschätzung nach nicht direkt bedroht, aber “die Optionen, die wir der Politik zur Unterstützung des Bündnisses anbieten können sind extrem limitiert”.

Generalleutnant Mais fordert: “Wann, wenn nicht jetzt ist der Zeitpunkt, den Afghanistaneinsatz strukturell und materiell hinter uns zu lassen und uns neu aufzustellen, sonst werden wir unseren verfassungsmäßigen Auftrag und unsere Bündnisverpflichtungen nicht mit Aussicht auf Erfolg umsetzen können.”

Deutschland bräuchte nun eigentlich eine starke Bundeswehr, deren Rückgrat schon immer das Heer, die Boots on the Ground waren. Nur steht dieses nach viel zu vielen Sparrunden aktuell blank da. Ein Zustand, über den sich Generalleutnant Mais in Verbindung mit der mangelnden Reaktion auf die Annexion der Krim Luft machte: “Das fühlt sich nicht gut an! Ich bin angefressen!”

Die bisherige Berichterstattung des Behörden Spiegel zur Ukraine-Krise finden Sie hier.

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