Russlands Verknüpfung mit der Bundeswehr

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Diese Panzerhaubitze 2000 wurde für den Afghanistan-Einsatz mit einer russischen Antonov An-124-100 transportiert. (Foto: Bundeswehr/Schmidt )

Drei russische Transportflugzeuge befinden sich aktuell auf dem Flughafen Leipzig, seit Deutschland den Luftraum für russische Flugzeuge am Sonntag sperrte. Hinzu kommt eine ukrainische Maschine. Der Flughafen Leipzig ist der Standort des militärischen Transportprogramms SALIS, an dem auch Deutschland beteiligt ist. Dass Deutschland für den militärischen Lufttransport auf gemietete Flugzeuge angewiesen ist, hängt mit der Auslagerung von Fähigkeiten zusammen – und mit dem Bundeswehr-Transportflugzeug A400M.

Als kurz nach dem Ende des Kalten Kriegs der damalige Verteidigungsminister Volker Rühe über das neue Transportflugzeug der Bundeswehr die Entscheidung fällte, standen zwei Optionen im Raum: Ein gemeinsam mit Russland zu entwickelnder Antonov-Nachfolger oder ein vollständig neu zu erfindendes deutsch-französisches Transportflugzeug. Die Bundeswehr und der Verteidigungsminister entschieden sich für die Antonov-Nachfolge. Der französische Staatspräsident François Mitterrand rief den deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl an und erinnerte ihn an die deutsch-französische Freundschaft. Die A400M ging unter Vertrag.

Aufgrund des notwendigen Abgleichs der unterschiedlichen Anforderungen Deutschlands und Frankreichs kann die A400M allerdings nicht alle notwendigen Transporte leisten. Es musste also zusätzlich etwas Größeres bereitstehen: die Antonovs. Bei der An-124 handelt es sich schließlich um das größte jemals in Serie produzierte Transportflugzeug der Welt.

Da Deutschland mit seinem Mangel an Transportflugzeugen in der NATO nicht alleine war, schlossen sich mehrere Nationen zur “Strategic Airlift Interim Solution” (SALIS) zusammen.

Auftrag durch die NATO

Für SALIS schloss die NATO Support Procurement Agency (NSPA) im Namen der beteiligten Nationen – aktuell sind es Belgien, Deutschland, Frankreich, Norwegen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn – einen Vertrag mit der Ruslan SALIS GmbH, einem Joint Venture aus dem russischen Unternehmen Volga-Dnepr Airlines und der ukrainischen Firma Antonov Airlines, so dass die Transportkapazitäten von bis zu sechs Antonovs genutzt werden konnten. SALIS galt als großer Erfolg, weil kostengünstig und zuverlässig. Die russischen und ukrainischen Maschinen flogen auch in Krisengebiete, sogar der Bundesrechnungshof lobte die Wirtschaftlichkeit.

Die Situation änderte sich allerdings mit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland. Das Joint Venture Ruslan SALIS GmbH zerbrach, die NSPA schloss Einzelverträge mit dem russischen und dem ukrainischen Unternehmen. Gleichzeitig wurde das “Interim” aus dem Namen des NATO-Programms entfernt, es heißt seitdem “Strategic Airlift International Solution” (SALIS).

Als 2018 die Verträge mit beiden Partnern ausliefen, verkündete die russische Volga-Dnepr Airlines, dass sie aus dem Programm aussteigen werde. Sie wolle sich künftig auf zivilen Lufttransport konzentrieren.

Heutige Situation

2018 wurde dementsprechend ein neues Joint Venture von Antonov mit dem Logistikdienstleister Cargo Air Solutions unter ukrainischer Führung gegründet: die Antonov Logistics SALIS GmbH. Mit diesem Unternehmen mit Sitz in Schkeuditz, einem Ort bei Leipzig, schloss die NATO Support Procurement Agency 2018 einen neuen SALIS-Vertrag. Die Firma verpflichtete sich zur Bereitstellung der vertraglich vereinbarten Lufttransportkapazitäten. Wie sie dies zu erfüllen gedenke, blieb ihr überlassen. Da die Antonov Logistics SALIS GmbH mit ihren rund 20 Mitarbeitern reine Vermittlungsdienste leistet, werden die Flugzeuge angemietet. Aktuell stehen am Flughafen Leipzig vier Antonov: Eine aus der Ukraine, drei aus Russland. Die Antonov Logistics SALIS GmbH wollte sich bisher nicht äußern.

Sollte Deutschland – und die weiteren SALIS-Partner – eine schnelle Verlegung von Waffensystemen an die Ostflanke der NATO benötigen, wäre der Lufttransport wahrscheinlich zum ersten Mal in der Geschichte der Bundeswehr keine wirklich sichere Option.

Die bisherige Berichterstattung des Behörden Spiegel zur Ukraine-Krise finden Sie hier.

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