Russlands Internet koppelt sich ab

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Social-Media-Dienste werden in Russland immer schwerer zu erreichen. Mit dem heutigen Tag werden staatliche Behördenwebseiten dazu verpflichtet, ausschließlich russische Server zu nutzen. Offiziell wurde die Maßnahme angeordnet, um resistenter gegen Cyber-Attacken zu werden. (Foto: BS/PhotoMIX-Company, pixabay.com)

Aus einem Tweet von Nexta, einem unabhängigen Medienunternehmen aus Warschau, welches sich mit der Berichterstattung über Belarus und der Ukraine beschäftigt, wird behauptet, dass staatliche Webseitenbetreiber ihre Online-Angebote von heute an (11.03.2022) in eine vom Ausland unabhängige russische Zone transferieren müssen. Dies sieht eine Anordnung von Andrei Chernenko, Russlands stellvertretendem Digitalminister vor.

Wenngleich sich diese Meldung nicht vollends verifizieren lässt, deuten viele Faktoren auf ihre Richtigkeit hin. Russland arbeitet laut Expertenberichten seit einiger Zeit an einem “unabhängigen” Internet – Runet genannt. Das Dokument, das aktuell auf Twitter verbreitet wird, fordert, dass alle staatlichen Server und Internet-Adressen von Behörden auf russisches Gebiet verlagert werden und künftig unter “.ru” geführt werden sollen. Dabei werden die Anbieter auch verpflichtet, ausschließlich russische Server zu nutzen.

Russische Medien vermelden derweil, dass die Isolation der Netzwerke dem Schutz gegen Cyber-Attacken dienen sollen, nicht der Trennung vom gesamten World Wide Web. Auch das russische Digitalministerium bestätigt diese Vorkehrungen. So sind in den letzten Tagen seit Beginn des Krieges in der Ukraine, dutzende russische Online-Dienste ins Visier genommen worden. Verantwortlich dafür waren einerseits das Hacktivisten-Kollektiv Anonymous sowie Mitglieder/-innen aus der Zivilgesellschaft, die sich unter dem Kollektiv der IT-Army zusammengeschlossen haben.

Noch ist nicht klar, inwiefern diese Pläne ausgeweitet werden sollen. Digitalexpert/-innen gehen jedoch davon aus, dass zukünftig alle russischen Anbieter verpflichtet werden könnten, nur noch lokale russische Dienste zu nutzen. Damit wäre staatliche Zensur noch einfacher durchzusetzen, als es aktuell schon der Fall ist. Der Prozess dafür hat so oder so schon begonnen: So hat die Moskauer Regierung den Zugang zu sozialen Medien wie Facebook, Instagram, Twitter und TikTok stark eingeschränkt beziehungsweise komplett untersagt. Besonders Instagram und Facebook wird sich heute nicht beliebter gemacht haben: Der Konzert Meta hat in einer internen Mail nach Reuters Informationen seine Mitarbeitenden dazu aufgefordert, “flexibler” mit Hasskommentaren umzugehen. So dürfen nun Nutzer/-innen in einigen osteuropäischen Staaten  russischen Soldat/-innen und Wladimir Putin den Tod wünschen und zu Gewalt gegen diese aufrufen.

Die bisherige Berichterstattung des Behörden Spiegel zur Ukraine-Krise finden Sie hier.

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