Malische Operation

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Im Juni 2021 wurden bei einem Anschlag in Mali 12 deutsche Soldaten verwundet. (Foto: BS/Bundeswehr/Sebastian Wilke)

Mali ist ein großes Land, fast viermal so groß wie Deutschland. Auch wenn der Großteil Malis aus Wüste besteht, erscheint die Anzahl der Blauhelmsoldaten der Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen (MINUSMA) sehr klein. Gerade einmal rund 13.000 Blauhelmsoldatinnen und -soldaten sowie ca. 2.000 Polizistinnen und Polizisten sollen das Land stabilisieren und den Frieden sichern. Darunter bis zu 1.100 Bundeswehrsoldaten, so zumindest der Wille und die Obergrenze des Parlaments.

Etwas über 600 km vom Hauptquartier fand nun eine Operation der malischen Streitkräfte statt, bei der zwar laut dem malischen Generalstab der Streitkräfte 203 mutmaßliche Terroristen getötet wurden, ohne dass Beobachter von MINUSMA den Vorfall dokumentiert haben. ” MINUSMA ist über Konfrontationen zwischen der FAMa und extremistischen Gruppen in Mourrah, Kreis Djénné, informiert. Sie ist sehr besorgt über die angebliche Gewalt gegen Zivilisten”, lautete die Mitteilung von MINUSMA am 2. April. “MINUSMA berät sich mit den malischen Behörden, um die Fakten und Umstände zu ermitteln und Maßnahmen zu ergreifen, mit denen die unmittelbaren Bedürfnisse der betroffenen Gemeinden, einschließlich der Sicherheitsbedürfnisse, erfüllt werden können.”

Damit reagierte MINUSMA auf die Mitteilung des malischen Generalstabs der Streitkräfte vom 1. April, dass “in der Zone Moura, 17 Kilometer nordöstlich von Kouakourou im Kreis Djénné, eine groß angelegte Operation durchgeführt wurde”. “Diese Operation erfolgte aufgrund von Informationen über ein Treffen zwischen verschiedenen Katibats in Moura, das seit einigen Jahren eine Hochburg der Terroristen ist”, so der malische Generalstab. Als Bilanz des Einsatzes wurde genannt: “203 Kämpfer von bewaffneten terroristischen Gruppen wurden neutralisiert und 51 Personen festgenommen. Hinzu kommt eine materielle Bilanz von 200 verbrannten und beschlagnahmten Motorrädern. Große Mengen an Waffen und Munition wurden beschlagnahmt. Die FAMa führte anschließend systematische Razzien in der gesamten Zone durch.”

Zur Erläuterung: Die FAMa sind die Forces armées maliennes, also die malischen Streitkräfte. Mit Katibat werden islamistisch-terroristische Organisationen bezeichnet, nicht nur in Mali.

Es mag sich tatsächlich um einen Einsatz des malischen Militärs gegen eine Hochburg des Terrorismus gehandelt haben, allerdings wirft die Bilanz von 51 verhafteten gegenüber 203 getöteten “Verbrechern”  kein gutes Licht auf die Aktion. Andererseits sind die malischen Streitkräfte tatsächlich durchgehend Ziel von Anschlägen islamistischer Terroristen, mit einer entsprechend hohen Zahl an Opfern bei den Soldaten. Ein Fakt, den auch ranghohe Bundeswehrsoldaten bereits bemängelten. Diese sagten, wenn man die malischen Soldaten nicht mit besserer Schutzausrüstung ausstatten würde, seien sie nur leicht zu identifizierende Ziele für die Terroristen. Auch diese Zermürbung könne ein Grund für das durchgreifende Vorgehen der malischen Streitkräfte gewesen sein.

“Wir sind besorgt darüber, dass viele Berichte darauf hindeuten, dass es sich bei den Tätern um nicht rechenschaftspflichtige Kräfte der vom Kreml unterstützten Wagner-Gruppe handelt”, lautete das Statement des U.S. Department of Defense. “In anderen Berichten heißt es, die malischen Streitkräfte (FAMa) hätten Elemente bekannter gewalttätiger extremistischer Gruppen ins Visier genommen. Diese widersprüchlichen Berichte machen deutlich, dass die malischen Übergangsbehörden unparteiischen Ermittlern dringend freien, ungehinderten und sicheren Zugang zu dem Gebiet gewähren müssen, in dem sich diese tragischen Ereignisse abgespielt haben.”

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