Systematische Aufarbeitung

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Dipl.-Ing. (Univ.) Reinhard Wolski Generalmajor a.D. Reinhard Wolski ist Senior Expert des Behörden Spiegel.

Gestern vor dreißig Jahren begann die fast vierjährige Belagerung von Sarajevo, und damit die brutalste Phase eines “Krieges mitten in Europa” (sic!), der mit der gleichen Verachtung und systematischer Vernichtung von Menschenleben, gezielter Zerstörung von Infrastruktur, vorwiegend zivilen Opfern und unsäglichem Leid geführt wurde wie der jetzige Angriffskrieg auf die Ukraine durch den potentiellen Kriegsverbrecher Wladimir Putin und seine ca. 120 höheren militärischen Kommandeure.

Es stellt sich nicht nur die Frage nach einer neuen Sicherheitsordnung in und für Europa – es stellt sich die Frage nach dem Versagen der OSZE, die das irrationale Verhalten eines seiner Mitglieder nicht stoppen konnte, es stellt sich die Frage, ob das Gremium der ständigen Mitglieder des UN Security Councils noch so weiterbestehen kann, und es stellt sich die Frage, warum die NATO als stärkstes Militärbündnis einen derartigen Konflikt in ihrem Interessen- (nicht Verantwortungs-)bereich) dulden muss. Von der EU ganz zu schweigen. Globalisierung und Digitalisierung als Stabilisierungsinstrumente haben übrigens versagt. Das Auswärtige Amt hatte 1919 in einem vierbändigen Werk die Akten zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs veröffentlicht. Es ist jetzt Zeit für Historiker, systematisch mit der Aufarbeitung von 1992-2022 zu beginnen. Und Zeit für den Internationalen Gerichtshof, mindestens 121 neue Akten anzulegen.

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