Risiko Gasmangel

0
954
Die Lebensmittelindustrie in Deutschland ist aktuell vom Gas abhängig. (Foto: Kreklau/Grossbäcker)

Das Szenario Gasmangel sei in der Vergangenheit durchaus stiefmütterlich behandelt worden, lautete eine Erkenntnis von Dr. Hans Walter Borries, Direktor Institut FIRMITAS, Witten und Stellv. Vorstandsvorsitzender BSKI e.V., bei den Brand- und Katastrophenschutztagen in Dortmund. Zwischen den Zeilen habe man zwar immer schon eine gewisse Gefährdung lesen können, allerdings nur sehr versteckt und eingeschränkt. Nun sei durch den Ukraine-Krieg die Lage Gasmangel allerdings durchaus in den Bereich des Denkbaren – wenn nicht sogar Wahrscheinlichen – geraten.

Das Hauptproblem seien dabei nicht unbedingt die Privathaushalte, die etwa ein Drittel der Gasverbraucher ausmachten, sondern die Industrie. Darunter auch die Lebensmittelindustrie. Großbäckereien und andere Lebensmittelkonzerne könnten ihre Systeme nicht einfach umstellen. Der gerade erst vollzogene Wechsel von Öl auf Gas habe Jahre gedauert.

“Es gibt detaillierte Pläne, wie einer kurzfristigen Gasmangellage zu begegnen ist”, sagte Borries, “aber keine, wie mit langfristigem Gasmangel umgegangen werden kann.”

Der Verband Deutscher Großbäckereien hatte bereits im März vor einer Gefährdung der Versorgung gewarnt. In einem Schreiben an die für Energiefragen zuständigen Ministerien der Bundesländer fordert der Verband eine grundsätzliche Priorisierung der Backbetriebe. “Ohne eine uneingeschränkte Versorgung der Großbäckereien mit Energie, insbesondere mit Gas und Elektrizität, und einer Sicherstellung der Lieferfähigkeit, ist eine Aufrechterhaltung der Versorgung mit dem Grundnahrungsmittel Brot in der Bundesrepublik Deutschland schlichtweg nicht sichergestellt”, betont der Verband. “Ein Ausweichen auf andere Energieträger”, so der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Armin Juncker, “ist aus technischen Gründen ausgeschlossen, zumindest kurz- und mittelfristig.”

Die bisherige Berichterstattung des Behörden Spiegel zum Ukraine-Krieg finden Sie hier.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here