Bei Angriff Rot

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Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey spricht mit einem IT-Spezialisten des SOC. Im Hintergrund mit der hellblauen Krawatte steht Dr. Ralf Kleindiek. (Foto: BS/Hilbricht.)

In den Berliner Landesnetzen und Landesrechenzentren sind die Daten von 3,7 Millionen Berlinerinnen und Berlinern gespeichert: ihre Namen, Adressen, Telefonnummern und Steuerbescheide. Wenn Hacker sich diese Daten verschaffen könnten, wären die Folgen verheerend. Aber zwischen ihnen und den Daten steht das Cyber Defence Center des IT-Dienstleistungszentrums Berlin (IDTZ). Die Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey (SPD), eröffnete jetzt das neue Herzstück der Cyber-Abwehr der Hauptstadt.

Im sogenannten “Security Operations Center” (SOC) laufen in Zukunft alle Informationen des Cyber Defence Center zusammen. Wenn man das SOC betritt, fühlt es sich an, als hätte man die Kommandobrücke eines Raumschiffes betreten. Blaues Licht, eine Monitorwand am Kopfende, davor ein Lagebesprechungstisch und ein langes Pult mit PC-Arbeitsplätzen. Im hinteren Teil des Raums ist eine verglaste Kabine eingebaut. Das ist der schallisolierte Besprechungsraum, in der die Cyber-Verteidiger abhörsicher die Verteidigung der Berliner IT-Infrastruktur planen werden.

Von Blau zu Rot

“Wenn wir an einem Behördenstandort einen Angriff haben, geht hier die rote Lampe an”, erklärt Olaf Hoßfeld, Leiter des Cyber Defence Center (CDC) des ITDZ. Er deutet auf die Decke. Im Angriffsfall wechselt das Licht buchstäblich von Blau zu Rot.

Zentrale Bündelung von Informationen in Echtzeit

Angriffe sind das tägliche Brot der IT-ler. Bis zu 15 Millionen Angriffe stellt das Cyber Defence Center im Jahr fest, etwa 4.000 am Tag. Um sie zu finden, analysiert das SOC mittels automatisierter Programme einen Datensatz von der Größe eines Terrabytes am Tag. Nicht alle Angriffe sind gleichermaßen schwerwiegend. Es gibt DDOS-Attacken, Malware und Datendiebstahl. Im SOC sollen die Informationen zentral gebündelt werden – in Echtzeit. So können Hoßfeld und seine Kollegen Muster erkennen, gegebenenfalls das Computer Emergency Response Team (CERT) informieren und Kontermaßnahmen oder forensische Analysen einleiten.

“Wir fahren das hier in unterschiedlichen Eskalationsstufen hoch. Wenn hier etwas passiert, arbeiten wir vollbesetzt und 24/7”, betont Marc Böttcher, der Vorstand des IDTZ. So ein Job verlange natürlich viel Einsatz von den Angestellten.

Dem IT-Fachkräftemangel begegnen

“IT-Fachkräfte sind in Berlin Goldstaub”, erklärt Bürgermeisterin Giffey. Berlin habe die größte Start Up-Szene Europas. Mit diesen hippen Unternehmen, ihren guten Löhnen und flexiblen Arbeitsmodellen konkurriere die Stadt Berlin um gut ausgebildete IT-Fachkräfte. Oder, um es so zu sagen: Herzstück sucht Goldstaub. “IT-Personal ist schon schwierig zu bekommen, aber in der IT-Sicherheit ist es noch schwieriger”, stellt Dr. Ralf Kleindiek fest. Er ist der Staatssekretär für Digitales und Verwaltungsmodernisierung sowie Chief Digital Officer des Landes Berlin.

Viele verschiedene Maßnahmen für mehr Attraktivität

Um sich als Arbeitgeber attraktiver zu machen, kündigte Kleindiek an, dass er und seine Kollegen bis Mitte des Jahres ein Konzept erarbeiten werden, um Personal zu gewinnen. Das Ziel sei, 700 bis 800 neue IT-Kräfte bis zum Ende der Legislaturperiode einzustellen. Bisher arbeiten rund 1.000 Angestellte beim ITDZ. Auf Nachfrage erläuterte Kleindiek, dass zu dem Konzept die Erhöhung von Gehältern, flexibles Arbeiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie mobiles Arbeiten gehören können.

Mehr Frauen gewünscht

Als sie das SOC verließ, sprach Giffey dann noch einen der Mitarbeiter an: “Die Frauenquote hier ist aber auch nicht so hoch, wa?” Es waren nur männliche Mitarbeiter anwesend. Der Angestellte erwiderte, dass er sich sehr wünsche, dass mehr weibliches Personal in der IT arbeiten würden. Es gebe durchaus Frauen, die sich für den Beruf interessieren. Vielleicht könne das ITDZ es schaffen, dass sie den Weg in die Branche finden.

Neben dem Konzept des Berliner Digitalstaatssekretärs spricht vielleicht noch etwas anderes für die Branche. Als Giffey die Männer nach ihren Berufsbezeichnungen fragte, antwortete jemand: “Security Officer.” “Das sind aber coole Namen”, rief die SPD-Politikerin.

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